Ärzte Zeitung, 28.05.2012

Kommentar

Transplantation braucht Transparenz

Von Christiane Badenberg

Mit dem Transplantationsgesetz ist ein erster, wenn auch kleiner, Schritt geschafft, die Zahl der Organspenden zu erhöhen.

Effektiver wird dabei vermutlich eher die verpflichtende Einführung von Transplantationsbeauftragten an den Kliniken sein, als die Aufklärungskampagne des Bundesgesundheitsministeriums oder die regelmäßige Infopost von der Krankenversicherung.

Erfreulich ist, dass sich für ein so wichtiges Thema im Deutschen Bundestag eine parteiübergreifende Mehrheit findet.

Ärgerlich ist dagegen, dass sich die Parlamentarier nicht dazu durchringen konnten, den Bürgern wenigstens einmal im Leben zuzumuten, sich direkt mit der Frage zu beschäftigen, ob man seine Organe spenden möchte oder nicht. Zum Beispiel, beim Abholen des Personalausweises oder des Führerscheins.

Dringend geboten ist es jetzt, alle Querelen rund um die Deutsche Stiftung Organtransplantation zu beenden. Ein Teil ihrer Führungskräfte hat in den vergangenen Monaten die eigene Arbeit durch mehr als ungeschicktes Verhalten konterkariert und so das Vertrauen in das Spendesystem erschüttert.

Hier muss Transparenz geschaffen werden, sonst nützt das beste Transplantationsgesetz nichts.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Organspende: Staat will nicht lockerlassen

Topics
Schlagworte
Organspende (869)
Organisationen
DSO (337)
Krankheiten
Transplantation (2190)
[29.05.2012, 15:35:29]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Verfassungs- und Verhältnismäßigkeit ?
Es mag vielleicht arrogant klingen, aber wenn man wie ich aus der Familie eines Staatsrechtlers kommt (Johann-Georg Schätzler: 'Handbuch des Gnadenrechts'), dann verzweifelt man als juristischer Laie bei bestimmten Sätzen wie: "sich direkt mit der Frage zu beschäftigen, ob man seine Organe spenden möchte oder nicht. Zum Beispiel, beim Abholen des Personalausweises oder des Führerscheins."

Selbst bei Unrechtsstaaten wie der DDR war es durchaus legitim, Personalausweise auszustellen. Dieses wurde aber illegitim bei bestimmten DDR-Bürgern mit der Frage verbunden, ob sie nicht endlich aus der Kirche aus- und der SED beitreten wollten bzw. wenigsten IM fürs MfS (informeller Mitarbeiter fürs Ministerium für Staatssicherheit) werden wollten?

Denn wo soll unsere verfassungsmäßige Grenzziehung sein. Heute würde noch nach der Organspende gefragt, morgen vielleicht nach der für die Gemeinschaft teuren und Organspende-hinderlichen HIV-Infektion und übermorgen gleich nach sexuellen Präferenzen, politischer Meinungsbildung bzw. Risiko- und Gefährdungs-Verhalten?

Im Gesundheitswesen und bei schweren Krankheiten gibt es so viele eminent wichtige, vital bedeutsame Paradigmen, Zielkonflikte und Lösungsstrategien. Die Organtransplantation ist nur eine von vielen, aber nicht 'primus inter pares'.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »