Ärzte Zeitung, 26.11.2012

Transplantation

Debatte um Zahl der Zentren

Verderben zu viele Köche den Brei? Die Stimmen, die Zahl der Transplantationszentren zu reduzieren, werden lauter.

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Beherzter Griff in die Box: Die Zahl der Transplantzentren rückt in die Diskussion.

© Mathias Ernert

BERLIN. Frank-Walter Steinmeier hat angeregt, die Zahl von Transplantationszentren in Deutschland auf den Prüfstand zu stellen.

Es sei unvermeidbar, über die Zahl der Transplantationszentren in Deutschland nachdenken, sagte der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag vor Vertretern der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) bei deren Jahrestagung in Berlin.

Es gebe 49 Zentren, die um Patienten und Organe konkurrierten. Und das möglicherweise mit negativen Nebenwirkungen.

Er sei davon überzeugt, dass nicht nur zur Stärkung der Qualität, sondern auch zur Vermeidung von Kontrolldefiziten, die Zahl der Zentren sinken müsse, sagte Steinmeier.

In diese Richtung hatte Ende vergangener Woche auch der Vorsitzende der Barmer GEK, Dr. Christoph Straub, argumentiert. Er hatte gefordert, mehr als die Hälfte der Transplantationszentren aufzugeben.

Steinmeier nannte aus seiner Sicht weitere Fehlanreize des Transplantationswesens in Deutschland: Boni auf Fallzahlsteigerungen und falsch verstandenes Prestigedenken unter Ärzten.

Es herrsche nach wie vor das Missverständnis, dass nur der ein vollwertiger Chirurg sei, der auch transplantiere. Das Verständnis, Chirurgie ohne Transplantation sei nur zweite Liga, bringe Operateure dazu, nach Möglichkeiten zu suchen, Organe zu verpflanzen, auch dort, wo die Voraussetzungen nicht ganz so ideal seien.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, hatte bereits zuvor angeboten, Anreize für die Steigerung von Transplantationszahlen im System selbst zu minimieren.

Möglich sei eine Lösung, Transplantationen aus dem DRG-Katalog herauszunehmen und davon getrennt zu vergüten.

Steinmeier warnte davor, die Transplantationsmedizin unter Generalverdacht zu stellen. Bislang handele es sich um das Versagen Einzelner, die sich über Regeln hinweggesetzt und so das Vertrauen in das System beschädigt hätten. (af)

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