Ärzte Zeitung, 18.02.2013

Leitartikel zur Transplantation

Nicht zu kurz springen!

Internisten und Chirurgen wollen Regeln für die Transplantationsmedizin aufstellen. Das Zauberwort heißt Transparenz. Sie darf nur nicht beim Arzt aufhören. Denn die Kontrolle über Informationssysteme in Kliniken reicht bisher nicht aus.

Von Philipp Grätzel von Grätz

doktor-kopf-AH.jpg

Wer hat ein Kreuzchen in der Patientenakte gesetzt? Das lässt sich nicht nachvollziehen.

© Sutyagin / Fotolia.com

Die Deutschen Gesellschaften für Innere Medizin (DGIM) und Chirurgie (DGCH) haben eine Task-Force Transplantationsmedizin ins Leben gerufen, die Ende Februar zum ersten Mal tagen wird.

"Wir wollen die Diskussion über die Transplantationsmedizin nicht der Politik und der Bundesärztekammer alleine überlassen", begründet DGIM-Generalsekretär Professor Ulrich Fölsch die Initiative.

Tatsächlich fehlt einigen der politischen Reflexe auf die Vorkommnisse in Göttingen, Leipzig und anderswo die ärztliche Perspektive. So träfe eine Verringerung der Zahl der Transplantationszentren in erster Linie tausende Patienten mit Nierentransplantationen.

Nierentransplantationen waren aber von den Skandalen überhaupt nicht betroffen. Die Task-Force wendet sich gegen pauschale Forderungen nach Verringerung der Zahl der Zentren, nicht nur, aber auch, mit Blick auf Nierenpatienten.

Kriminellen Missbrauch eindämmen wollen die Fachgesellschaften durch mehr Transparenz auf Patientenseite. "In der Vergangenheit kam es vor, dass ein Patient an einem Zentrum wegen anhaltendem Alkoholismus keine Leber erhielt. Wenige Wochen später erhielt derselbe Patient anderswo ein Transplantat", so Fölsch.

Die Fachgesellschaften wollen so etwas durch ein zentrales Patientenregister erschweren. Auf mehr Patiententransparenz zielt auch das ebenfalls von der Task-Force geforderte Sechs-Augen-Prinzip: Außer dem Chirurgen und dem Internisten soll auch noch ein externer Experte Zugriff auf die Originaldaten bekommen, beispielsweise ein Labormediziner.

Das praktikabel umzusetzen, wird nicht einfach, aber es ist sicher machbar.

Wird das reichen? Nein. Es besteht die Gefahr, dass die Task-Force in einem zugegeben schwierigen Punkt zu kurz springt, nämlich bei der Transparenz auf Arztseite ...

Jetzt gleich lesen ...Jetzt gleich lesen ...

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Der kleine Unterschied ist größer als gedacht

Krankheiten verlaufen bei Männern und Frauen unterschiedlich, das ist bekannt. Die Gendermedizin deckt immer mehr die geschlechtsspezifischen Besonderheiten auf. mehr »

Prä-Op-Labor - Kein Einfluss auf den Bonus

Mit der Laborreform hat sich der Blick verstärkt auf das Prä-Op-Labor gerichtet. Das soll nicht auf die Laborkosten angerechnet werden. mehr »

So sieht die Gesundheitsversorgung in den 32 WM-Ländern aus

Bei der Fußball-WM in Russland sind die teilnehmenden Nationen mit hochkarätigen medizinischen Betreuerstäben am Start. Doch wie sieht es mit der Gesundheitsversorgung in der Heimat aus? mehr »