Ärzte Zeitung, 24.05.2013
 

Organspende

DSO will Transparenz

Die Skandale um Lebertransplantate haben das Vertrauen in die Organspende erschüttert. Jetzt will die DSO Vertrauen zurückgewinnen. Stiftungschef Hess wirbt für das Transplantationsregister.

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Viele Organspendeausweise: Die DSO will Vertrauen zurückgewinnen.

© Jens Kalaene / dpa

DÜSSELDORF. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) setzt auf den Aufbau eines Transplantationsregisters.

Ein solches Instrument könnte wesentlich dazu beitragen, die Qualität des Organspende- und Transplantation-Systems in Deutschland zu erhöhen, sagte DSO-Vorstand Dr. Rainer Hess bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des bundesweiten Tags der Organspende am 1. Juni.

Die zentrale bundesweite Veranstaltung, die unter dem Motto "Richtig. Wichtig. Lebenswichtig" steht, findet in diesem Jahr in Essen statt.

"Wir haben ein Versorgungsproblem", sagte Hess angesichts der weiter rückläufigen Spendezahlen in Deutschland. In den ersten vier Monaten 2013 ist die Zahl der Spender im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent, die Zahl der gespendeten Organe um zehn Prozent zurückgegangen.

Um das durch die Skandale verloren gegangene Vertrauen zurückzugewinnen, sei ein transparentes qualitätsgesichertes Verfahren notwendig. Dabei könne das Transplantations-Register eine wichtige Rolle spielen.

Qualitätssicherung für bessere Ergebnisse

"Es kann zeigen, welche Qualität die Transplantationsmedizin in Deutschland hat und wie die einzelnen Kliniken qualitätsmäßig dastehen."

Parallel zu dem jetzt von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) in Auftrag gegebenen Gutachten, das Ende des Jahres vorliegen soll, könnten die Daten bereits aufbereitet werden. Die gesetzliche Grundlage für die Zusammenführung der Daten könnte 2014 geschaffen werden, hofft Hess.

Für Egbert Trowe vom Vorstand des Vereins Lebertransplantierte Deutschland wäre ein Register ein Fortschritt. "Als Patient kann man sich dann das Krankenhaus suchen, das die beste Qualität hat." Trowe hofft, dass es möglichst schnell Realität wird.

Verbesserungen in der Qualität und der Transparenz des Systems seien angesichts der demografischen Entwicklung dringend notwendig, sagte die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne).

Mit der Alterung nehme der Bedarf an Spenderorganen zu, gleichzeitig steige das Durchschnittsalter der Spender. "Umso wichtiger ist die Qualitätssicherung, um die besten Ergebnisse für die Patienten erzielen zu können", sagte Steffens. (iss)

[27.05.2013, 16:10:26]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Update Transplantationsmedizin 2.0
Neue Leitlinien zu Organisation und Qualitätssicherung in der Transplantationsmedizin wurde von kompetenten Experten formuliert. Professor Rüdiger Siewert und Rüdiger Strehl forderten unter
http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/mehr-fuehrung-aufruf-fuer-ein-rudolf-pichlmayr-institut-fuer-transplantationsmedizin-12166613.html

Lt. ÄKWL-Präsidenten Dr. Theodor Windhorst sei dies "absoluter Unsinn". Er vertrat die Ansicht, Transplantationsskandale in Regensburg, Göttingen und anderswo seien ausschließlich auf "pures Verwaltungsdenken" zurückzuführen. "Und der Blick auf ökonomische Aspekte und somit Fehlanreize" seien tatsächlich entscheidend gewesen. Vgl.:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/54279/Weiterer-Schritt-auf-dem-Weg-zum-nationalen-Transplantationsregister
Da wundert es nicht, dass auch Dr. jur. Rainer Hess, geboren am 6. 11. 1940, und 'seine' rein privatwirtschaftlich organisierte Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auf den formaljuristischen Aufbau eines bloßen Transplantationsregisters setzen.

Es erfordert geringe prophetische Gabe vorauszusagen, dass ein von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) in Auftrag gegebenes Gutachten, das Ende des Jahres vorliegen soll, primär die Überführung der DSO in eine Körperschaft Öffentlichen Rechts als Bundesinstitut für Transplantationsmedizin fordern wird. Zugleich wird es i n h a l t l i c h e Reformen an Haupt und Gliedern der DSO bei Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität geben m ü s s e n.

K e i n e n übersteigerten Ehrgeiz, falsches Konkurrenzdenken, kriminelle Energie, Fehlentwicklung, Mauscheleien und k e i n strategisches Vorteils-Denken und -Handeln bei den bisherigen Organvergaben und -manipulationen anzunehmen, ist extrem naiv und blauäugig. Durch reines registrieren und dokumentieren in einem wie auch immer gearteten "Transplantations-Register" wird verloren gegangenes Vertrauen und eine dramatisch abstürzender Organspendebereitschaft niemals zu reanimieren sein.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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