Ärzte Zeitung online, 05.09.2013

Kommentar zum Transplantations-Prüfbericht

Es wurde schon zu viel Porzellan zerschlagen

Die Kontrollergebnisse zur Organvergabe wurden mit Spannung erwartet. Jetzt sind sie in Berlin vorgestellt worden. Allerdings bringen sie nicht die erwartete Transparenz.

Von Sunna Gieseke

Die Zahlen zur Organvergabe sind auf einem historischen Tiefstand - seit gut einem Jahr beherrscht nun der Skandal um die Manipulation bei der Organvergabe die Diskussion um die Transplantationsmedizin.

Seither ringen Ärzte sowie Vertreter von Kassen und der Politik darum, das Vertrauen der Menschen in die Organvergabe zurückzugewinnen. Bislang vergeblich. Der aktuelle Bericht der Überwachungskommission wird nur wenig an dem tiefen Misstrauen der Menschen ändern können. Dafür wurde inzwischen zu viel Porzellan zerschlagen.

Um das zu kitten, braucht es ein hohes Maß an Transparenz. Der aktuelle Bericht kann nur als Zwischenfazit dienen. Denn bislang wurden lediglich die 24 Leberzentren in Deutschland untersucht.

Aber schon diese erste Übersicht enthält eher wenig gute Nachrichten: Außer in Göttingen, Leipzig und München soll es dem Bericht zufolge auch an der Uniklinik Münster systematische Verstöße bei der Vergabe von Spenderorganen gegeben haben. Zudem gab es in weiteren 15 Zentren Auffälligkeiten wie Dokumentations-, Flüchtigkeits- und Bewertungsfehler.

Allerdings konnte denen keine systematischen und bewussten Falschangaben nachgewiesen werden. In gerade einmal fünf Zentren hat die Kommission keine Auffälligkeiten festgestellt. Trotzdem spricht die Kommission davon, dass die Maßnahmen für mehr Kontrolle und Transparenz in der Transplantationsmedizin greifen.

Aber dieses Ergebnis lässt sich nicht schön reden. Und dementsprechend kann der Bericht nicht das Ende einer Diskussion um die Organvergabe sein, sondern lediglich ein Anfang.

Lesen Sie dazu auch:
Prüfbericht zu Transplantationen: Dunkle Wolken über Münster

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Glücklich und zufrieden mit dem Job

Ärzte arbeiten gerne in ihrem Beruf und würden ihn wieder ergreifen. Der Ärztemonitor zeigt auch: So viele Ärzte wie nie zuvor sind zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation. mehr »

So alt sind die Ärzte in Deutschland

Fast jeder dritte niedergelassene Arzt in Deutschland ist jenseits der 60. Wir zeigen in Grafiken, wie alt die Ärzte in den einzelnen Fachbereichen sind. mehr »

Wer wird Galenus-Preisträger 2018?

Heute Abend ist es soweit: Im Rahmen einer feierlichen Gala werden wieder innovative Arzneimittel und hervorragende Grundlagenforscher mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis ausgezeichnet. 13 Innovationen sind im Rennen. mehr »