Ärzte Zeitung online, 15.02.2018

Organspende

Hamburg erhöht den Druck auf Krankenhäuser

Die Gesundheitsbehörde will mit einem Ausführungsgesetz die Daumenschrauben ansetzen: Transplantationsbeauftragte als Pflicht und schärfere staatliche Kontrollen.

Von Dirk Schnack

HAMBURG. Mit neuen Vorgaben für die Krankenhäuser will Hamburg eine höhere Zahl an Organspenden erreichen. Neben verpflichtenden Transplantationsbeauftragten will die Gesundheitsbehörde auch der staatlichen Aufsicht mehr Gewicht verleihen. Diese Regelung ist bundesweit bislang ohne Vorbild.

Erreichen will die Gesundheitsbehörde den stärkeren Einfluss über ein Hamburgisches Ausführungsgesetz zum bundesweiten Transplantationsgesetz. Der Entwurf sieht vor, dass künftig Vertreter der Gesundheitsbehörde oder beauftragte Sachverständige an den Konferenzen der Transplantationszentren teilnehmen können. In diesen Konferenzen wird unter anderem über die Aufnahme auf die Warteliste bei der Vermittlungsstelle entschieden.

Beauftragter soll freigestellt werden

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) will die 22 Kliniken in der Hansestadt, die Organe entnehmen, zur Benennung von mindestens einem Transplantationsbeauftragten verpflichten. Die Beauftragten sollen nach einem festen Schlüssel (0,1 Stellenanteile je zehn Intensivbetten) von allen weiteren Aufgaben freigestellt werden. Eine solche Freistellung der Beauftragten hatte wie berichtet die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in ihren Empfehlungen zur Umsetzung des Transplantationsgesetzes gefordert. Die Gesundheitsbehörde verwies in diesem Zusammenhang auf eine vergleichbare Regelung in Bayern und die dort erreichten Erfolge: "Bayern ist das Bundesland, das im zurückliegenden Jahr entgegen dem Bundestrend die deutlichste Steigerung der Organspende erzielt hat."

Hamburg dagegen verzeichnete im vergangenen Jahr einen Rückgang von 40 auf 24 postmortale Organspender. Laut Gesundheitsbehörde sind nur ein bis zwei Prozent der möglichen Organspenden in den Hamburger Kliniken realisiert worden. Diese Entwicklung alarmiert die Gesundheitssenatorin: "Es ist höchste Zeit, alle Kräfte zu mobilisieren, um diesen Negativtrend umzukehren und kontinuierlich und dauerhaft mehr Organspenden zu realisieren – auch in den Krankenhäusern", sagte Prüfer-Storcks.

Die Transplantationsbeauftragten benötigen eine Facharztqualifikation und mindestens drei Jahre Berufserfahrung in der Intensivmedizin oder die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Pflegekräfte bestellt werden. Ziel ist, dass nur noch in der praktischen intensivmedizinischen Tätigkeit erfahrene Personen die Schlüsselposition in den Krankenhäusern bekleiden. Von den hohen Hürden verspricht sich die Behörde eine Stärkung der Transplantationsbeauftragten gegenüber Mitarbeitern und Klinikleitung.

Vertrauen zurückgewinnen

Prüfer-Storcks ist zuversichtlich, "dass die in Hamburg vorhandenen Potenziale für die Organspende bei einem erfolgreichen Ineinandergreifen unserer Regelungen viel besser ausgeschöpft werden können". Die Hamburgische Krankenhausgesellschaft (HKG) hatte zuvor im Stellungnahmeverfahren darauf hingewiesen, dass die Finanzierung der Transplantationsbeauftragten in weiten Teilen zu Lasten der Krankenhäuser erfolgt.

Hamburgs SPD-Koalitionspartner Die Grünen begrüßten den Gesetzentwurf – genauso wie die FDP. Deren gesundheitspolitische Sprecherin Jennyfer Dutschke sagte: "Auch können die geplanten Kontrollen der Krankenhäuser dazu beitragen, verloren gegangenes Vertrauen in die Transplantationsmedizin wiederherzustellen." Die grüne Gesundheitsexpertin Christiane Blömeke betonte wie Dutschke, dass zugleich die Bemühungen, Menschen für die Organspende zu gewinnen, verstärkt werden müssten. Dutschke: "Für mehr Spendenbereitschaft brauchen wir eine gesamtgesellschaftliche Debatte."

Mitte Januar hat die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) gemeldet, dass die Zahl der Organspender in Deutschland 2017 einen neuen Tiefpunkt erreicht hat. Nach den Statistiken gab es nur 797 Organspender, 60 weniger als im Vorjahr.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vorhofflimmern schlägt aufs Hirn

Nicht nur ein Risikofaktor für Schlaganfall: Vorhofflimmern ist auch für das Gehirn gefährlich. Angststörungen und kognitive Einschränkungen sind Nebenwirkungen, so eine Studie. mehr »

Gericht urteilt über Diesel-Fahrverbote

Müssen Städte die Feinstaub-Notbremse ziehen und Diesel-Fahrzeuge aus den Innenstädten verbannen? Bejaht das Bundesverwaltungsgericht dies, könnte auch die Gesundheitswirtschaft in die Bredouille kommen. mehr »

Bei Diabetes "nicht gleich mit Verboten kommen!"

Professor Hellmut Mehnert ist eine wahre Kapazität auf dem Gebiet der Diabetologie. Anlässlich seines 90. Geburtstags sprach die "Ärzte Zeitung" mit ihm über Patienten-Motivation, Defizite und neue Therapie-Optionen. mehr »