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Ärzte Zeitung online, 02.07.2008

"Mehr Würde für Tiere als für alte Menschen"

BERLIN (ble). Nach der Sterbehilfe des Hamburger Ex-Senators Roger Kusch bei einer 79-jährigen Lebensmüden hat der Pflegekritiker Claus Fussek scharfe Kritik an der Politik der großen Koalition und an Ärzten geäußert.

So sei die Debatte um die Finanzierung der Pflegeversicherung "eine Aufforderung an alle Pflegebedürftigen zum kollektiven Suizid" gewesen, sagte er der "Frankfurter Rundschau". In vielen Heimen lägen Bewohner unter Schmerzen in ihrem Kot und Urin und niemand helfe, weil in einem durchschnittlichen Heim nur eine Schwester auf 60 Bewohner komme.

Fussek: "Alte Tiere werden bei uns würdevoller versorgt als alte Menschen. Wir leben in einer Gesellschaft, die zwei Milliarden Euro für Hunde- und Katzenfutter ausgibt und sich nicht schämt, dass wir gleichzeitig mehr als 200 000 mangelernährte alte Menschen in Pflegeheimen haben."

Wer gegen Sterbehilfe sei, müsse den Alten einen schmerzfreien und würdevollen letzten Lebensabschnitt ermöglichen, ergänzte er. Allerdings gleiche die Suche nach einem Platz in einer Palliativstation in mancher Stadt einem Lotteriespiel. Zudem habe der Großteil der Mediziner keine Ahnung von Schmerztherapie.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt drohte schlechten Heimen unterdessen mit schärferen Sanktionen bis hin zu Schließungen.

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