Ärzte Zeitung online, 18.11.2008

Studie: Fast jeder Zweite wird gegen Lebensende pflegebedürftig

BERLIN (dpa). Das Risiko, zum Pflegefall zu werden, ist erheblich höher als allgemein angenommen. Nach einer aktuellen Studie war etwa jeder Zweite der 2007 in Deutschland Gestorbenen im Todesjahr ein Pflegefall. Das belegen aktuelle Zahlen des erstmals aufgelegten "Pflegereports" der Gmünder Ersatzkasse (GEK), der am Montag in Berlin veröffentlicht wurde.

Bei den Männern lag der Anteil der Pflegebedürftigen bei 41 Prozent, bei den Frauen bei knapp 51 Prozent. Im Durchschnitt lag das Pflegefallrisiko bei 44,1 Prozent. Dies zeige, dass Pflegebedürftigkeit "kein Restrisiko", sondern ein zunehmendes "Allgemeinrisiko" sei, sagte der Autor des Reports, Professor Heinz Rothgang von der Universität Bremen. Derzeit erhalten rund zwei Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Seit 1996 - ein Jahr nach deren Start - hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen um gut 25 Prozent erhöht. Die mittlere Pflegedauer beträgt für Männer 15,8 Monate, für Frauen 40,3 Monate und damit mehr als drei Jahre.

Als weiteres Ergebnis offenbarte der Report ein Defizit bei der fachärztlichen Versorgung in den Pflegeheimen. So haben Heimbewohner mit psychischen Störungen oder Parkinson-Syndrom nur durchschnittlich 2,5 Mal im Jahr Kontakt zum Facharzt. Als medizinisch angemessen gelten vier Kontakte. Die hausärztliche Betreuung der pflegebedürftigen Heimbewohner fällt dagegen besser aus. "Wir sehen da keinen so großen Mangel", sagte GEK-Vorstandschef Rolf-Ulrich Schlenker. Er zeigte sich überzeugt, dass es schon in der nächsten Legislaturperiode die nächste Pflegereform geben wird.

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