Ärzte Zeitung online, 12.03.2009

Hospiz Stiftung bemängelt Versorgung Sterbender

DORTMUND (dpa/eb). Die Deutsche Hospiz Stiftung hat die Versorgung von Sterbenden in Deutschland als unzureichend kritisiert. Einer hauseigenen Studie zufolge seien im vergangenen Jahr nur 12,5 Prozent der 830 000 Verstorbenen im Hospiz oder anders palliativ versorgt worden, teilte die Stiftung am Donnerstag in Dortmund mit.

Eine solche Versorgung sei aber für rund 60 Prozent nötig. Derzeit bekämen also vier von fünf Sterbenden keine Hilfe, die eine solche Betreuung brauchen. "Das ist ein desolater Zustand in Deutschland", sagte der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch. Besonders enttäuschend entwickele sich laut Brysch die ambulante Betreuung. Bisher gebe es nur eine Handvoll Pflegeteams.

Knapp 51 000 wurden im vergangenen Jahr ehrenamtlich hospizlich begleitet - entweder zu Hause, in einem Pflegeheim oder Krankenhaus. 33 700 Menschen wurden der Studie zufolge auf einer Palliativstation betreut.

19 000 Menschen starben der Studie nach im vergangenen Jahr in einem stationären Hospiz. Der Eigenanteil von 20 bis 45 Euro am Tag, den sie für diese Begleitung haben zahlen müssen, sei zu hoch, kritisierte Brysch. Auch sei der Wechsel von einem Pflegeheim in ein Hospiz nahezu ausgeschlossen. "Krankenkassen sperren sich dagegen, Patienten, die im Sterben liegen, für die letzten vier Wochen in ein Hospiz aufzunehmen." Dabei habe der Sterbende darauf nach dem Sozialgesetzbuch einen Anspruch.

Um die Situation der Betroffenen zu verbessern, dürfe sich die Politik nicht hinter den vielen Ehrenamtlichen verstecken, sagte Brysch. Er forderte einen grundsätzlichen Richtungswechsel in der Versorgung Schwerstkranker und Sterbender. "Der Schlüssel zum Wandel ist, Hospiz nicht als ein bestimmtes Haus oder einen bestimmten Dienst zu begreifen." Der Hospizgedanke müsse überall dort Einzug halten, wo Menschen sterben, so Brysch.

Internet: www.hospize.de

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