Ärzte Zeitung online, 23.04.2009

Bis zu 100 000 Pflegekräfte aus Osteuropa in Deutschland

BERLIN (dpa). Schätzungsweise 100 000 Haushaltshilfen aus Mittel- und Osteuropa helfen in Deutschland bei der Versorgung alter Menschen. Das geht aus der ersten Übersichtsstudie zu diesem Thema hervor, die der Deutsche Caritasverband am Donnerstag in Berlin präsentierte.

Viele betreute Senioren sind mit ihrer Haushaltshilfe aus Mittel- oder Osteuropa sehr zufrieden.

Foto: deanm©www.fotolia.de

"Das ist kein Rand- oder Nischenphänomen", resümieren die Autoren vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (Köln). Derzeit sind in Deutschland insgesamt 2,25 Millionen Menschen pflegebedürftig.

Vor allem allein lebende Frauen jenseits der 80 nutzen danach die Unterstützung durch Haushaltshilfen aus Mittel- und Osteuropa. Die Hauptgründe: Rund zwei Drittel haben ein körperliches Handicap, ein Drittel leidet an einer Form von Altersdemenz. Für mehr als die Hälfte der betroffenen Senioren (56 Prozent) ist diese Hilfeform die einzige Alternative zum Pflegeheim. Sie wollen in ihrer häuslichen Umgebung bleiben, aber die Familie wohnt zu weit weg, um sich vielleicht sogar rund um die Uhr zu kümmern. Die Familien sind mit den Helferinnen meist sehr zufrieden - drei Viertel sehen die Senioren auf diese Weise sicher betreut und fast 70 Prozent betrachten die Helferinnen als Teil der Familie.

Vier von fünf halten die bisherigen Angebote der ambulanten Pflegedienste nicht für ausreichend, um die tägliche Grundversorgung zu gewährleisten. Viele Betroffene nutzen deshalb beides - und sehen in der Verschränkung von Hilfskraft und ambulantem Hilfsdienst die "ideale Ergänzung" (43 Prozent).

Auch die Pflegedienste gaben an, durch die Haushaltshilfen in der häuslichen Versorgung und der Grundpflege zwar einerseits Aufträge verloren zu haben, am Ende aber doch davon zu profitieren: Denn die Haushaltshilfen tragen wesentlich dazu bei, dass die alten Menschen nicht so schnell ins Heim oder Krankenhaus müssen (87 Prozent).

In den meisten Fällen konnten die befragten Senioren die Versorgung selbst oder mit Hilfe der Familie finanzieren. Die Pflegedienste gaben an, dass sich ihrer Meinung nach etwa zehn Prozent ihrer Patienten eine Haushaltshilfe leisten können.

Für die Übersichtsstudie wurden bundesweit 154 Familien und 261 ambulante Pflegedienste befragt. Außerdem gab es Interviews mit 15 Vermittlungsagenturen sowie Stellungnahmen großer Sozial- und Berufsverbände.

Zum Abschlussbericht der Studie "Situation und Bedarfe von Familien mit mittel- bzw. osteuropäischen Haushaltshilfen" (PDF)

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