Ärzte Zeitung, 17.06.2009

Nur virtuelle Pflegeberatung trifft auf Skepsis

Sachsen setzt bei der Information zu Pflegeleistungen ganz auf Telefon- und Internetdienste. Seit Kurzem können sich Bürger über die Webseite des Sächsischen Pflegenetzes und eine Hotline Rat holen.

Von Katlen Trautmann

LEIPZIG.Beide Angebote sind kürzlich in Dresden vorgestellt worden. Als einziges Bundesland verzichtet Sachsen damit auf ein flächendeckendes Netz örtlicher Beratungsstützpunkte. Die Alzheimergesellschaft Sachsen fordert zusätzlich den Ausbau regionaler Netze durch Landkreise und Kommunen. Nach Ansicht des Vorsitzenden der Gesellschaft, Knut Bräunlich, besteht vor allem beim Thema Demenz großer Bedarf an persönlichen Gesprächen. "Wir möchten dazu mit den Hausärzten ins Gespräch kommen", sagte er der "Ärzte Zeitung".

Er appelliert an die Allgemeinmediziner, beim Ausbau freiwilliger regionaler Netze mitzumachen. "Wir wollen alle Akteure an einen Tisch bringen, um Drehtüreffekte für Betroffene und Angehörige zu vermeiden. Reale Stützpunkte können eine echte Entlastung sein", sagte er. Bräunlich erwartet bei einer Information allein über das Internet Probleme, da nicht alle betagten Nutzer damit umgehen könnten. In einem Beratungsbüro in der sächsischen 8000-Einwohner-Stadt Rochlitz beispielsweise würden täglich acht persönliche Gespräche geführt.

Die Alzheimergesellschaft hatte beim Deutschen Seniorentag in Leipzig den Demenzatlas Sachsen vorgestellt. Die Prävalenz der Krankheit in Sachsen von rund 1,8 Prozent liegt etwa einen halben Prozentpunkt über dem Bundesdurchschnitt. Der Altersdurchschnitt der Einwohner des Bundeslandes ist einer der höchsten in Deutschland. "Mit dem Atlas haben die Kommunen erstmals belastbares Zahlenmaterial an der Hand, um die Versorgungsstrukturen bei sich vor Ort prüfen zu können", sagte Bräunlich. Der AOK Plus-Experte Thomas Westphälinger kritisierte, in Sachsen fehle eine einheitliche Übersicht über vorhandene Strukturen für die Versorgung Demenzkranker.

Dagegen hofft Sachsen Sozialministerin Christine Claus (CDU), dass der Demenzatlas Sachsen "sachgerecht in die Gestaltung unserer Pflegelandschaft einbezogen wird".

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