Ärzte Zeitung online, 03.11.2009

Wohlfahrtsverband erwartet Ausstieg aus Zivildienst

KÖLN (dpa). Die geplante Verkürzung von Wehr- und Zivildienst wird nach Darstellung eines der großen Wohlfahrtsverbände zu weniger Einsatz von Zivildienstleistenden führen. "Unsere Mitgliedsorganisationen haben bereits signalisiert, dass sie die Stellen dann zurückgeben und nicht mehr besetzen werden", sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Für die Organisationen dieses Dachverbandes arbeiten nach seinen Angaben rund 500 000 Menschen, davon 15 000 "Zivis".

Die schwarz-gelbe Koalition hat für 2011 die Verkürzung des Wehr- und damit auch des Zivildienstes von neun auf sechs Monate vereinbart. Die Wohlfahrtsverbände wären nach der Verkürzung nicht mehr in der Lage, "Zivildienstleistende noch vernünftig einzusetzen", sagte Schneider dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Im Rettungsdienst dauere die Ausbildung an den Fahrzeugen drei Monate. "Da bringen sechs Monate dann gar nichts mehr. Bei der Pflege, in Kindergärten oder der Arbeit mit Behinderten kann man es den Menschen einfach nicht zumuten, alle halbe Jahre die Bezugsperson zu wechseln."

Auch den Einsatzstellen könne man nicht zumuten, stets neue Leute einarbeiten zu müssen. Schneider: "Wenn man auf sechs Monate geht, dann ist der Zivildienst am Ende." Der Verlust lasse sich allerdings durch Freiwillige im sozialen und ökologischen Jahr ausgleichen, wenn dafür mehr Geld bereitgestellt werde. Für beide Dienste gebe es derzeit doppelt so viele Bewerber wie Stellen.

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