Ärzte Zeitung, 22.04.2010

Kommentar

Pflege-Greencard löst keine Probleme

Von Thomas Hommel

Manche "Idee" wird nicht dadurch besser, dass sie alle Jahre wieder in die öffentliche Debatte geworfen wird. Das gilt auch für den Vorschlag des Chefs des Arbeitgeberverbandes Pflege, Thomas Greiner, mit Greencards für Ausländer und der Entschlackung von Ausbildungsvorschriften den Fachkräftemangel in der Altenpflege zu beheben.

Richtig ist, dass heute schon 50 000 Altenpfleger fehlen. Dafür gibt es viele Gründe. So gilt der Altenpflegeberuf als wenig attraktiv. Viele assoziieren damit Knochenarbeit, Stress und miese Bezahlung. Damit mehr junge Menschen in die Pflege gehen, müssen die Arbeitsbedingungen dort verbessert werden. Außerdem müsste der Pflegeberuf durch neue Kompetenzen weiter aufgewertet werden. Das wiederum muss einhergehen mit einer Ausbildungsoffensive, die von der Botschaft begleitet werden sollte: Pflege ist ein spannender, vielseitiger und angesehener Beruf, der Spaß macht.

Wer, wie die Pflegearbeitgeber, Ausbildungsstandards absenken und Sprachkenntnisse zur Nebensache bei der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen machen will, sendet das falsche Signal aus. Deprofessionalisierung ist keine Antwort auf die neuen Herausforderungen in der Pflege.

Lesen Sie dazu auch:
Vorschlag für Pflege-Greencard erntet heftige Kritik

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Stromstimulation hilft Gedächtnis auf die Sprünge

US-Forscher haben mit einer speziellen Wechselstromstimulation das Arbeitsgedächtnis von über 60-Jährigen auf das Niveau von 20-Jährigen gehoben – zumindest für kurze Zeit. mehr »

Aufklärung alleine verpufft

Nicht nur zu Ostern locken Schokolade und Co.: Laut DONALD-Studie liegt der Zuckerverzehr gerade bei Kindern und Jugendlichen noch immer über der WHO-Empfehlung. Forscher sehen hier die Politik in der Pflicht. mehr »

Länger geguckt, eher gekauft

Menschen treffen irrationale Kaufentscheidungen, so eine Studie: Allein eine lange Betrachtungsdauer lässt Personen eher zugreifen – selbst, wenn das Produkt schlecht ist. mehr »