Ärzte Zeitung, 31.05.2010

"Ein sinnvoller Beruf, der Wertschätzung verdient hat"

Schleswig-Holstein startet eine Offensive, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen.

Von Dirk Schnack

KIEL. Der Bedarf an Fachkräften steigt, und Schleswig-Holstein will den Pflegeberuf für junge Menschen attraktiver machen. Damit soll der steigende Fachkräftebedarf gedeckt und Arbeitslosigkeit verringert werden. "Wir müssen jungen Menschen klar machen, welches Potenzial in den Pflegeberufen steckt. Wir müssen auch Menschen mit Berufserfahrung, die sich neu orientieren wollen, die Chancen aufzeigen", sagte Schleswig-Holsteins Sozialminister Dr. Heiner Garg (FDP).

Dass diese Chancen durchaus bestehen, belegt eine Studie der Universität Bremen. Danach würde die Mehrzahl der Auszubildenden im Pflegeberuf die Entscheidung für diese Ausbildung wieder treffen. Die Auszubildenden betonen den Spaß und die Freude an ihrem Beruf, obwohl sie die mit dem Beruf verbundenen Belastungen kennen gelernt haben.

"Es gibt Arbeitsdruck, ungünstige Arbeitszeiten, es gibt Überforderungen und keine üppige Bezahlung. Das ist aber nur die eine Seite", sagte Garg. "Auf der anderen Seite ist der Pflegeberuf ein sicherer Arbeitsplatz mit guten Zukunftsaussichten. Es gibt Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit, man hat engen Kontakt mit Menschen. Und: Man kann einem Beruf nachgehen, der wirklich sinnvoll ist und die Wertschätzung und Hochachtung aller verdient hat", so Garg.

Das Land wird als einen Beitrag gegen einen möglichen Fachkräftemangel die jährlich geförderten Ausbildungsplätze in der Altenpflege um 30 auf 1200 erhöhen. Auf Bundesebene laufen unter Beteiligung Schleswig-Holsteins zurzeit Planungen für eine Reform der Pflegeausbildung, die zu mehr Flexibilität in den Berufswegen führen soll.

Schon jetzt ist Pflege ein Jobmotor im Norden. Nach Angaben der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit arbeiteten im Februar im Gesundheits- und Sozialwesen Schleswig-Holsteins 121 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das waren 3700 oder 3,2 Prozent mehr als im Vergleichsmonat es letzten Jahres. "In keinem Wirtschaftszweig des Landes haben wir - absolut und prozentual - einen solchen Zuwachs", sagte Jürgen Goecke von der Arbeitsagentur.

Allein im vergangenen Jahr haben 450 Personen mit Umschulungen und Weiterbildungen in der Altenpflege begonnen. Angesichts des Bedarfs in der Pflege sieht Goecke aber "alle Arbeitsmarktpartner weitaus stärker gefordert". Wichtig seien etwa detaillierte Informationen, da selbst Interessierte nach seinen Erfahrungen nur begrenztes Wissen über die Branche besitzen. Eine Informationswoche soll Abhilfe schaffen.

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