Ärzte Zeitung online, 06.09.2010

Experte: Pflegepersonal ohne Zivis überlastet

BREMEN (dpa). Ein Aussetzen von Wehrpflicht und Zivildienst wird nach Ansicht eines Experten den Druck auf das Pflegepersonal erheblich erhöhen. "Die Belastung wird sich sowohl körperlich als auch psychisch verschärfen", sagte der Direktor des Bremer Instituts für Public Health und Pflegeforschung, Professor Stefan Görres.

"Das wird sich zwangsläufig auf die Krankenstände und die Fluktuationsrate unter den Angestellten auswirken", sagte Görres in einem Gespräch mit dpa. Dabei sei es jetzt schon schwierig, ausreichend Personal zu finden. Deshalb müssten sowohl die Politik als auch die Einrichtungen selbst dringend handeln.

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird nach Angaben von Görres in Zukunft weiter steigen, zugleich sinke die Zahl der Nachwuchskräfte - wegen des demografischen Wandels, aber auch weil die Branche als unattraktiv gelte. "Wir haben ein Imageproblem in der Pflege", sagte der Hochschulprofessor. "In einer Studie haben wir festgestellt, dass Pflegeberufe bei Jugendlichen absolut out sind." Die jährlich 90 000 Zivildienstleistenden in Deutschland seien daher eine wichtige Stütze für die Pflegeeinrichtungen, die nun aber voraussichtlich wegfalle.

"Die Situation muss politisch gelöst werden", forderte Görres. Neben dem Ausbau des freiwilligen sozialen Jahrs kommt seiner Ansicht nach ein sozialer Pflichtdienst in Betracht. "Ich halte es für sinnvoll, Pflege in Zukunft als gesellschaftliche und kulturbildende Aufgabe zu betrachten", sagte der Wissenschaftler. "Das scheint mir mindestens genauso sinnvoll wie der Wehrdienst." Zugleich müssten die Pflegeeinrichtungen alles dafür tun, den Beruf attraktiver zu gestalten, von der Bezahlung bis hin zu den Arbeitszeiten.

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