Ärzte Zeitung, 10.09.2010

Der Standpunkt

Stiftung Pflegetest

Von Thomas Hommel

Stiftung Pflegetest

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Die Stiftung Warentest kennt jeder. Seit 1964 unterstützt die auf Initiative des Bundestages gegründete Stiftung den Verbraucher bei der Auswahl von Waren und Dienstleistungen - so "unabhängig und objektiv" das eben geht. Die Vorgehensweise ist einfach und hat sich bewährt: Die Warentester kaufen anonym Produkte im Handel und nehmen Dienstleistungen verdeckt in Anspruch. Anschließend testen sie diese mit wissenschaftlichen Methoden und nach klaren Vorgaben. Darauf aufbauend wird das betreffende Produkt benotet - die Spanne reicht von "sehr gut" bis "mangelhaft".

Viele Verbraucher vertrauen den Noten. Freilich: Für den Kauf eines Waschmittels oder den Abschluss einer Rentenzusatzversicherung ist das Urteil der Warentester nur ein Orientierungspunkt und nicht mehr. Umgekehrt werben etliche Unternehmen inzwischen mit der Auszeichnung.

Wer die Endlos-Debatte um den Pflege-TÜV für die rund 22 000 Pflegeeinrichtungen in Deutschland verfolgt, fragt sich erstaunt: Warum hat der Gesetzgeber den Job der Zeugnisvergabe für das Heim "Zum letzten Anker" oder die Sozialstation "Mit viel Herz" nicht von Anfang an in die Hände von Stiftung Warentest gelegt?

Jedenfalls erweist es sich heute als Fehler, dass man den Medizinischen Dienst der Kassen (MDK) damit beauftragt hat. Die Vorbehalte gegen den MDK sind groß - nicht zu Unrecht: Die Prüfungen sind oft defizitorientiert. Ein Fehler in der Dokumentation reicht mitunter, um den guten Gesamteindruck einer Einrichtung zunichte zu machen.

Unabhängig sind die MDK-Prüfer auch nicht. Die Kassen schicken sie, und der Spruch "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing" gilt leider auch hier. Verwundert es da, dass viele Heime gegen die MDK-Noten klagen?

Der MDK soll ruhig unangemeldet Pflegeeinrichtungen prüfen. Urteile, an denen sich Verbraucher bei der Suche nach einem Heim oder Pflegedienst orientieren und bei denen verbraucherrelevante Dinge eine Rolle spielen, sollen andere fällen. Warum nicht die Stiftung Warentest?

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Warnung vor neuen Schnellschüssen bei Wartungsarbeiten am Pflege-TÜV

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