Ärzte Zeitung, 27.09.2010

In der Pflegeberatung geht Sachsen-Anhalt eigene Wege

Nach dem Erfolg in zwei Modellregionen wollen Kommunen und Kassen gemeinsam Beratungsstellen aufbauen.

Von Petra Zieler

MAGDEBURG. Als erstes Bundesland geht Sachsen-Anhalt bei der gesetzlich vorgeschriebenen Pflegeberatung eigene Wege. Statt 115 neue Stützpunkte zu installieren, wie vom Bundesgesundheitsministerium empfohlen, bündeln Kommunen und die gesetzlichen Krankenkassen des Landes ihre Kräfte und bieten eine "Vernetzte Pflegeberatung" an.

Unabhängig von der Kassenzugehörigkeit können sich Betroffene oder Angehörige in einer der rund 200 Beratungsstellen im Land Hilfe holen. Die Bündelung und Abstimmung der pflegerischen und sozialen Beratungs-, Versorgungs-, Betreuungsangebote und die Nutzung vorhandener Strukturen soll eine wohnortnahe, umfassende und zugleich individuelle Pflegeberatung ermöglichen. "Statt auf kostspielige Doppelstrukturen zu setzen, haben wir uns für ein effizienteres, bürgerfreundliches und noch dazu unbürokratisches Konzept entschieden", so Landesgesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD).

Bereits seit Anfang 2009 war die vernetzte Pflegeberatung in den Modellregionen Magdeburg und Harz erprobt worden. Eine entsprechende Evaluationsstudie wies eine hohe Zufriedenheit aus. Drei viertel der rund 2000 Befragten sahen zudem die Entfernung vom Wohnort zur Beratungsstelle als angemessen an. Dr. Peter Rudolph, Professor an der Hochschule Magdeburg-Stendal und Vorstand der eumedias Heilberufe AG: "Wir konnten mit der Studie auch nachweisen, dass es keinen Bedarf für weitere Pflegestützpunkte gibt." In Sachsen-Anhalt kommen auf eine Beratungsstelle 11 909 Einwohner. In Berlin gibt es einen Stützpunkt für 95 000 und in Thüringen sogar für über 450 000 Menschen.

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