Ärzte Zeitung online, 23.10.2010
 

Rösler will Pflege umkrempeln

OSNABRÜCK (eb). Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) plant offenbar eine umfangreiche Reform in der Pflege. Künftig solle nicht mehr der Pflegeaufwand als Kriterium ausschlaggebend sein, sondern die Fähigkeit des Betroffenen zur Selbstständigkeit, kündigte Rösler in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" an.

Rösler will Pflege umkrempeln

Philipp Rösler: "Weg von der Minutenpflege."

© dpa

"Wir wollen weg von der Minutenpflege, die nicht unserem Menschenbild entspricht", sagte der FDP-Politiker dem Blatt. Vielmehr müsse die Pflegebedürftigkeit danach bewertet werden, wie ein zu Pflegender Tätigkeiten noch selbst ausführen könne. Dabei müssten auch Erkrankungen wie etwa Demenz stärker berücksichtigt werden.

Rösler kündigte für Anfang Dezember eine Gespräch mit Fachleuten und Verbänden über grundsätzliche Fragen der Pflege an. Dann soll auch über die Finanzierbarkeit der Pflege diskutiert werden.

Rösler sprach sich gegenüber dem Blatt zudem für eine Bündelung der bestehenden Ausbildungsgänge in der Kranken- und Altenpflege aus. Zumindest zu Beginn der Ausbildung könne dies die Pflegeausbildung sicher interessanter machen, "wenn man sich erst später entscheiden muss, worauf man sich spezialisiert".

Bei der Finanzierung der Pflegeversicherung brachte Rösler dem Bericht zufolge eine Kapitaldeckung als zusätzliche Komponente ins Gespräch. Dabei müsse aber sichergestellt werden, dass angespartes Geld auch im Fall von Arbeitslosigkeit oder Pfändung nicht verloren gehen dürfe. Der Kapitalstock müsse so sicher angelegt werden, dass niemand darauf Zugriff habe.

Auch die Angehörigen sollten laut Rösler künftig bessergestellt werden. Dafür sollen etwa die Angebote für Kuren erweitert werden. Wenigstens eine oder zwei Wochen im Jahr sollten sie diese Möglichkeit bekommen, schlug er vor. "Hier sollte mehr getan werden."

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Philipp Rösler (1037)
[27.10.2010, 16:32:42]
Dr. Timo Spanholtz 
Falsche Konzepte mit leeren Taschen
Bei einigen bundespolitischen Ideen weiss jeder, der aktiv im medizinischen Sektor arbeitet, dass sie erfolglos bleiben müssen. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler plant die Bündelung der bestehenden Ausbildungsgänge in der Kranken- und Altenpflege, um den Pflegeberuf aufzuwerten und bei jungen Menschen mehr Interesse zu wecken. Eine eigene unrepräsentative Umfrage unter 33 Pflegekräften unter 30 Jahren im Krankenhaus Köln-Merheim zeigt, dass keine einzige examinierte Pflegekraft diesen Plan als relevant für die Entscheidung zur Ausbildung hält. Die leeren Taschen im Gesundheitssystem scheinen auch auf die Vernunft abzufärben. Angemessener Lohn, vernünftige Arbeitsbedingungen und Freizeitgestaltung geben richtige Anreize - nicht eine zweifelhafte Perspektive auf gebündelte Ausbildungsgänge.
Herzlichen Glückwunsch zum 1-jährigen, liebe schwarz-gelbe Koalition! zum Beitrag »

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