Ärzte Zeitung, 08.12.2010

Pflegeverbände fordern von Rösler "nach der Visite auch Therapie der Probleme"

Knapp drei Stunden hat der erste Pflegedialog bei Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler gedauert. Die Reaktionen auf das Treffen sind gemischt.

Pflegeverbände fordern von Rösler "nach der Visite auch Therapie der Probleme"

Andreas Westerfellhaus, Präsident des Pflegerats.

© Deutscher Pflegerat

BERLIN (hom). Die Auftaktveranstaltung zum "Pflegedialog" bei Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), die am Dienstagnachmittag in Berlin stattgefunden hat, ist bei Verbänden und Politik auf ein geteiltes Echo gestoßen.

Während der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, die Gespräche als einen "Meilenstein" für Pflegebranche und Gesellschaft bezeichnete, zeigte sich der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, "begrenzt zufrieden" über die Ergebnisse. "Es ist zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, mehr aber auch nicht", sagte Meurer im Anschluss an die etwa dreistündigen Beratungen, an denen neben Pflegeverbänden auch Vertreter der Pflegekassen sowie der Länder und Kommunen teilgenommen haben.

Der Chef des Deutschen Pflegeverbands, Rolf Höfert, sagte der "Ärzte Zeitung", es sei zu begrüßen, "dass Rösler die Pflege nicht mehr im toten Winkel seiner Betrachtungen hat".

Der Pflegedialog mache aber nur Sinn, wenn "der Visite auch eine Therapie" der Probleme folge. "Jetzt geht es nicht nur um die kosmetische Zusammenführung der drei Berufsbilder Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege, sondern um ein Pflegeberufsgesetz, in dem die Kompetenzen und Aufgaben der Pflege unmissverständlich definiert werden", sagte Höfert. Überfällig sei zudem die Reform des derzeit geltenden Pflegebedürftigkeitsbegriffs und eine bundesweite "Bildungsinitiative zur Fachkräftegewinnung in der Pflege".

Jürgen Gohde, Vorstand des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA), zeigte sich überzeugt davon, dass der unter Röslers Amtsvorgängerin Ulla Schmidt (SPD) erarbeitete neue Pflegebegriff noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt wird. "Nächstes Jahr muss ein neuer Pflegebegriff kommen - sonst wird das nichts mehr", sagte Gohde der "Ärzte Zeitung". Gohde hatte seinerzeit den Beirat zur Überarbeitung des derzeit geltenden Pflegebegriffs geleitet.

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