Ärzte Zeitung, 15.12.2010

Elektronisches Gesundheitsbuch soll für mehr Transparenz in der Pflege sorgen

"Mutti, wie wirst Du gepflegt?" Eine Antwort darauf sollen Angehörige in Form einer Online-Pflegeakte bekommen.

Von Thomas Hommel

Elektronisches Gesundheitsbuch soll für mehr Transparenz in der Pflege sorgen

Professor Adelheid Kuhlmey, Altersforscherin an der Charité Berlin

© Hons

BERLIN. Während die Wartungsarbeiten am umstrittenen Pflege-TÜV für die etwa 22 000 Heime und Pflegedienste in Deutschland zum Erliegen gekommen sind, gehen einzelne Pflegeanbieter mittlerweile ganz eigene Wege, um für mehr Einblick in die Qualität der Arbeit ihrer Einrichtungen zu sorgen. Ein Beispiel: die Marseille-Kliniken in Hamburg.

Am Dienstag schaltete der börsennotierte Pflegekonzern, der 58 Heime und drei Anlagen für Betreutes Wohnen betreibt, im Internet ein neues Projekt für mehr Transparenz in der Pflege frei. Unter www.meingesundheitsbuch.de können sich Angehörige und Betreuer rund um die Uhr ein Bild vom Gesundheitszustand der in den Marseille-Heimen lebenden Pflegebedürftigen machen.

Sie können unter anderem Vital-Daten wie Temperatur, Gewicht, Blutdruck, Blutzucker oder Pulsfrequenz abrufen. Anhand von Pflegeplanung und Pflegedokumentation können Angehörige wiederum einsehen, zu welcher Uhrzeit welche Verrichtungen wie Medikamentengabe, Baden, Dekubitusprophylaxe oder Therapien geplant und ausgeführt wurden.

Auch die Anzahl der an die Bewohner verabreichten Arzneimittel oder veränderte Dosierungen bestimmter Präparate sollen sich online nachvollziehen lassen. Vermerkt werden ebenso Arztbesuche und vom Arzt gestellte Diagnosen.

Marseille-Vorstandsmitglied Axel Regenhardt nannte die elektronische Pflegeakte einen "großen Schritt" hin zu mehr Transparenz in der Pflege. "Was der Angehörige sonst nur vor Ort im Gespräch erfährt, ist über die neue Internetseite nun jederzeit und von überall einsehbar". Die Datensicherheit des Portals werde durch spezielle Verschlüsselungstechniken garantiert, betonte Regenhardt.

Mit der neuen Plattform würden "Kommunikation und Transparenz zwischen den Angehörigen, der Einrichtung und allen am Pflegeprozess Beteiligten" deutlich verbessert, lobte die Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie an der Berliner Charité, Professor Adelheid Kuhlmey. Durch die regelmäßige Nutzung des Portals übten die Angehörigen zudem eine "permanente Kontrollfunktion" über die Arbeit der Heime aus.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Erstes Fenster in der Blackbox Pflege

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Freunde hinterlassen Spuren im Gehirn – Rauchen auch

Sport, Alkohol, soziale Kontakte – die Lebensführung spiegelt sich im Gehirn wieder, so eine Studie. Und: Raucherhirne laufen auf Hochtouren. Doch das ist nicht positiv gemeint... mehr »

Schwerionen überwinden Tumor-Resistenz

Eine Bestrahlung mit Schwerionen bei Glioblastom kann offenbar auch sehr resistente Krebszellen abtöten. Damit könnte die Schwerionen-Bestrahlung die bessere Alternative zu Photonen sein. mehr »

Die Delegations-Hochburgen in Deutschland

Hausbesuch von NäPA oder VERAH? Geriatrisches Basisassessment durch MFA? Die Neigung von Ärzten, Arbeit zu delegieren, variiert zwischen den Regionen stark. Wie groß die Unterschiede sind, zeigt unsere Karte des Monats. mehr »