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Ärzte Zeitung, 14.06.2011

Forderung nach einheitlichem Pflege-Notruf

BERLIN (dpa). Angesichts häufiger Gewalt gegen Pflegebedürftige wird eine bundesweite Pflege-Notrufnummer gefordert.

Nach Angaben der Senioren-Union (SU) werden etwa 350.000 gebrechliche alte Menschen mindestens einmal im Jahr Opfer von Gewalt in der Pflege.

"Das ist nur die Spitze des Eisberges", sagte SU-Chef und CDU-Bundesvorstandsmitglied Otto Wulff am Dienstag in Berlin. Opfer, aber auch Täter reagierten mit Angst, Scham und Hilflosigkeit.

Wulff forderte anlässlich des heutigen Welttags gegen Misshandlung alter Menschen eine Hotline, die mit Psychologen und Pflegern besetzt ist. "Eine solche Notruf-Nummer könnte zum Beispiel die leicht merkbaren Ziffern 999 haben."

Psychisch und physisch überfordert

Pflegebedürftige seien gefährdet, weil sie sich in einer starken Abhängigkeit - oft von den eigenen Kindern - befänden. "Diese sind infolge von beruflicher und familiärer Doppelbelastung mit der häuslichen Pflege von Eltern oder Großeltern psychisch wie physisch überfordert", sagte Wulff.

Jeder zweite Angehörige räume ein, deshalb gewalttätig zu werden.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Krisentelefone, Beratungs- und Beschwerdestellen (BAG) macht sich ebenfalls für eine einheitliche Nummer stark. Zudem sollten Pflegekräfte und Ärzte geschult werden. Den BAG-Angaben nach werden Pflegebedürftige in Heimen und Zuhause gefesselt, eingeschüchtert und geschlagen.

2,3 Millionen Pflegebedürftige

Offiziell gibt es in Deutschland 2,3 Millionen Pflegebedürftige, 750 000 von ihnen werden meist nur mit geringer Hilfe zu Hause gepflegt. Laut Prognosen wird die Zahl Pflegebedürftiger stark zunehmen, während künftig immer mehr Pflegekräfte fehlten.

Die Deutsche Hospiz Stiftung forderte zudem eine bessere gesetzliche Regelung bei Misshandlung in der Pflege.

Vorstand Eugen Brysch sprach sich für Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften aus, um eine kompetente und konsequente Verfolgung zu gewährleisten. Zudem forderte die Patientenschutzorganisation, die Träger von Pflegeeinrichtungen stärker in die Haftung zu nehmen.

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