Ärzte Zeitung online, 27.07.2011
 

Verbände wollen keine Schulnoten in der Pflege

BERLIN (ami). Immer wieder Ärger um Schulnoten in der Pflege. Im Auftrag von zwei Pflegeanbieter-Verbänden ist jetzt ein Alternativkonzept entwickelt worden. Qualitätsberichte sollen das Notensystem ersetzen.

Qualitätsberichte statt Schulnoten in der Pflege?

Note 5 für die Pflegenote. Die Pflegeanbieter wollen ein Alternativkonzept.

© blickwinkel / imago

Das von der sogenannten Bonato-Kommission - benannt nach dem der Münsteraner Pflegewissenschaftler Professor Marcellus Bonato - entwickelte Konzept sieht für Pflegeheime ein ähnliches System des Qualitätsmanagements vor, wie es für Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen gilt.

Es soll die bestehende Transparenzvereinbarung zur Erfassung von Pflegequalität durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) und ihrer Abbildung in Schulnoten ablösen.

Anlass für die Konzeptentwicklung war der Ausstieg des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) und des Arbeitgeber- und Berufsverbands Privater Pflege (ABVP) aus der Weiterentwicklung der Transparenzvereinbarung im Herbst letzten Jahres.

VDAB: Noten sind inhaltlich nicht haltbar

"Wir werden im neuen System eine Qualitätsberichterstattung haben. Das ist die Abkehr von den Noten, weil die methodisch und inhaltlich nicht haltbar sind", sagte VDAB-Geschäftsführer Thomas Knieling bei der Präsentation des Abschlussberichts der Kommission.

Den Alternativvorschlag hat der Pflegewissenschaftler Marcellus Bonato im Auftrag der beiden Verbände entwickelt. Bei der Erfassung von Struktur- und Prozessqualität orientiert er sich an dem Qualify-Instrument des Instituts für Qualität und Patientensicherheit BQS und dem Methodenpapier des AQUA-Instituts.

Für die Ergebnisqualität greift das neue Konzept Indikatoren auf, die in einem aktuellen Modellprojekt entwickelt worden sind. Vorgesehen ist, dass die Daten in den Pflegeheimen selbst erfasst und von einer externen Einrichtung überprüft werden. Auf die Darstellung von Lebensqualität wird dabei sowohl ambulant als auch stationär verzichtet.

Berichte brächten mehr Rechtssicherheit

Der Alternativvorschlag kommt ohne MDK-Prüfungen aus. Sie liefern aus Sicht von VDAB-Vize Petra Schülke aber ohnehin "Ergebnisse, die nicht verwertbar sind". Schülke erhofft sich von dem neuen Modell einen Perspektivwechsel, der auch die Pflege als Berufsfeld wieder attraktiver machen könnte.

Für ambulante Pflegedienste funktioniert der Alternativvorschlag nur eingeschränkt, denn hier fehlen laut Knieling valide Indikatoren für die Ergebnisqualität. Denkbar seien unter Umständen Kundenbefragungen.

"Wir denken, dass das neue System zumindest mehr Rechtssicherheit und Rechtsklarheit bringt", so der Wissenschaftler Bonato unter Verweis auf widersprüchliche Urteile über die Aussagekraft der Schulnoten. Er hält einen kurzfristigen Start des neuen Modells für möglich.

Voraussetzung ist allerdings, dass es Zustimmung bei den Partnern der Transparenzvereinbarung findet. Das sind neben den Pflegekassen auch viele weitere Verbände von Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten.

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Pflege (4842)
[06.08.2011, 23:44:59]
Ulrike Messerschmied 
Hohe Qualität hat auch ihren Preis
Sehr geehrter Herr Dommaschk!
Sie haben recht: Qualitätskontrollen in der Pflege muss es geben.
Erlauben Sie mir eine kleine Korrektur Ihrer - mit Verlaub - etwas voreiligen Schlüsse:
Hohe Qualität kann es in keiner Branche der Welt zum kleinen Preis geben - auch nicht in der Pflege. Ihren Angaben zufolge gehe ich davon aus, dass Sie sich auf Kostenstrukturen beziehen, wie sie z.B. in Nordrhein-Westfalen vorherrschen. In Niedersachsen und anderen Bundesländern können Sie davon ausgehen, dass Sie bis zu 1200,- € weniger für Pflegestufe 3 aus eigener Tasche für die Versorgung im Heim beisteuern - übrigens für Leistungen, die rund um die Uhr, Tag für Tag, Woche für Woche bis zu mehreren Jahren durchgehend angeboten werden. Vergleichen Sie das mal mit Kosten, die für 2x30 Min. pro Tag ambulante Pflege zuhause anfallen. Da kann ich nur sagen: Gut, dass die Zeiten, in denen Pflege für Gotteslohn betrieben wurde, zum Glück lange vorbei sind.
Ich hoffe, Ihnen ist auch klar, dass wir alle - angesichts der sich seit Jahren abzeichnenden demographischen Entwicklung bei gleichzeitig schwindenden sozialen Ressourcen - vor der richtungsweisenden Frage stehen: Wieviel ist uns in Zukunft die Pflege wert? Die Politik versagt bisher grandios bei der Beantwortung dieser gesellschaftpolitisch höchst brisanten Frage. Das aktuelle Notensystem - durch das übrigens lediglich die Qualität der Dokumentation, nicht jedoch die Pflegequalität selbst bewertet wird - ist eines von vielen traurigen Beispielen dafür. Insofern ist von der Politik also nicht allzuviel zu erwarten.
Aber sein Sie beruhigt - auch ich habe meine Zweifel, ob dieser Missstand durch ein höchst wahrscheinlich mit noch mehr Dokumentationsaufwand verbundenes Alternativkonzept wie das der Bonato-Kommission aufzulösen wäre.
Meine Empfehlungen an alle, die so denken wie Sie:
1. Ein bisschen mehr Vertrauen! Es gibt auch noch anständige Pflegeunternehmer, die trotz schwierigster Rahmenbedingungen ihre Kunden und Mitarbeiter mit der nötigen Wertschätzung behandeln.
2. Nur noch Parteien wählen, die auch halten, was sie versprechen!(PS: Schönen Gruß an die FDP und ihr verpuffendes ,,Jahr der Pflege'' ...) - und
3. Schon mal anfangen mit dem Sparen: Die nächste Erhöhung des Pflegeversicherungsbeitrags kommt bestimmt! zum Beitrag »
[28.07.2011, 19:46:33]
Heinz Dommaschk 
Keine Schulnoten in der Pflege???
Ja, was denn sonst??? Nahezu alle privaten Pflegeeinrichtungen sind selbstverständlich "gewinnorientiert"! Das heißt:Gewinnmaximierung auf Kosten des Personals(Überlastung durch Unterbesetzung;schlechte Bezahlung etc.);in dessen Folge Minimierung der Pflegeleistung,Vernachlässigung der Betreuung des Einzelnen,Verzicht auf den Erhalt des Standards der Hygiene und Einschränkung der Qualität der Verpflegung.Keines dieser privaten Einrichtungen handelt oder agiert selbstlos oder aus christlichen Motiven.Da diese Unternehmen auf Kosten der Kassen also auf Kosten der Allgemeinheit agieren sind sie nicht nur der Pflegequalität verpflichtet sondern darüber hinaus auch rechenschaftspflichtig in Form der Bilanzierung ihrer Geschäfte gegenüber den Kassen.Also Einnahmen und Ausgabennachweise.Wie kann es sein das neben der Kassenleistung in der Pflegestufe III - dies nur ein Beispiel - noch zusätzlich ca.€ 2200.- bis € 2400.- verlangt werden von einem Menschen dessen Lebensansprüche infolge seines Alters und/oder seiner Erkrankung auf ein Minimum reduziert sind? Dieser Mensch wird - sofern noch Ersparnisse oder Vermögen vorhanden sind - regelrecht ausgeraubt. Und sind keine Ersparnisse oder Vermögen vorhanden wird wieder der Staat in Form der Sozialämter, also die Allgemeinheit zur Kasse gebeten. Ein grausames System!! Fazit: Ein Unternehmen - gleich welcher Art - das vom Staat also von der Allgemeinheit profitiert - muß sich sowohl Qualitätskontrollen gefallen lassen als auch Geschäftsergebnisse offen legen. zum Beitrag »

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