Ärzte Zeitung, 23.08.2011

Individuelle Verblisterung erhöht Sicherheit

MÜNCHEN (sto). Die patientenindividuelle Arzneimittel-Verblisterung für Bewohner von Pflegeheimen erhöht die Arzneimittelsicherheit und Versorgungswirtschaftlichkeit der teilnehmenden Senioren.

Zu diesem Ergebnis ist eine wissenschaftliche Begleitstudie zu einem Modellvorhaben der AOK Bayern gekommen. An dem Modellprojekt haben bayernweit 581 Pflegeheimbewohner aus 19 Pflegeheimen teilgenommen, die durch zehn Apotheker mit Arzneimittel-Blistern versorgt wurden.

Die teilnehmenden Apotheken haben originalverpackte Arzneimittel "entblistert" und in mehreren Arbeitsschritten maschinell alle für einen Patienten verordneten Medikamente in der jeweils benötigten Dosis neu "verblistert". Gewöhnlich stellen die Pflegekräfte die verordneten Medikamente patientenindividuell zusammen.

Die Arzneimittel-Verblisterung führe zu einer deutlichen Entlastung und Zeitersparnis für die Pflegekräfte bei gleichzeitig erhöhter Versorgungsqualität, erklärte Professor Günter Neubauer, dessen Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) das Modellvorhaben wissenschaftlich begleitet hat.

Die Studie habe außerdem ergeben, dass die Ausgaben für die durch Arzneimittelblister versorgten Pflegeheimbewohner in der Tendenz höher ausfallen. Grund dafür sei vermutlich eine intensivere Betreuung im Projekt, etwa weil die Dauermedikation von Patienten häufiger überprüft wurde.

Durch die patientenindividuelle Verblisterung könnten eventuell negative und vermeidbare Nebenwirkungen bei der Arzneimitteltherapie reduziert werden, so dass weniger Krankenhausaufenthalte nötig sind als bisher, meinte der Vorsitzende der AOK Bayern Dr. Helmut Platzer.

Die Auswertungen seien in diesem Punkt jedoch nicht eindeutig. Die AOK Bayern stehe jetzt vor der Entscheidung, ob die patientenindividuelle Verblisterung auf die AOK-Pflegenetze ausgeweitet werden soll.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[23.08.2011, 14:47:00]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Es kann nicht sein, was nicht sein darf!
Verblisterung ist eine wunderbare Sache, wenn gleichbleibende medikamentöse Therapie und individuelle Dosierung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden können.

Die bei Versagen (Allergie, Neben-, Wechselwirkung, Unter-, Überdosierung, Noncompliance) der medizinisch-ärztlich-pflegerischen Prophetie leider notwendige Entblisterung und Neumedikation ist in ihren logistischen und ökonomischen Folgen bisher aus allen Studien ausgeblendet worden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »