Ärzte Zeitung online, 06.02.2012

Private Pflegeanbieter fordern Green-Card

SAARBRÜCKEN (eb). Der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer, hat eine Green-Card für Pflegefachkräfte gefordert, um den Personalmangel in den Heimen zu lindern.

Private Pflegeanbieter fordern Green-Card

Meurer: Politik unterstützt den Pflegenotstand.

© Müller-Stauffenberg / imago

"In Ländern wie Indien, Vietnam und den Philippinen gibt es ein Überangebot an ausgebildeten Pflegekräften, die arbeitslos sind. Hier muss sich die Bundesregierung bewegen", sagte Meurer der am Dienstag erscheinenden "Saarbrücker Zeitung".

Jüngst hatte bereits das Berliner Institut für Europäische Gesundheits- und Sozialwirtschaft (IEGUS) vorgeschlagen, künftig auch indische Pflegekräfte für Deutschland anzuwerben.

"Als die IT-Branche einen Fachkräftemangel beklagte, legte die Politik wie ein Posaunenchor los", sagte Meurer der "Saarbrücker Zeitung".

"Im Pflegebereich kommt sie über zarte Flötentöne nicht hinaus. Offenbar unterschätzt die Regierung den Pflegenotstand", kritisierte der Verbandschef.

In Deutschland fehlten derzeit rund 30.000 Pflegekräfte, um die schlimmsten Probleme zu beseitigen, so Meurer. "Wenn diese Leute morgen auf den Markt kämen, dann wären sie übermorgen alle in Lohn und Brot".

Zugleich wandte sich Meurer gegen die Auffassung, die Pflege nur als Kostenfaktor zu sehen. Vielmehr sei sie ein enormer Wirtschaftsfaktor.

"Von einem investierten Euro fließen 90 Cent an den Staat zurück. Durch Steuern, Beiträge und durch die Steigerung des Bruttosozialprodukts", so Meurer.

Auch seien die Arbeitsplätze im Pflegebereich sicher. "Es können nur mehr werden", meinte Meurer.

[06.02.2012, 15:16:22]
Markus Antony 
Fördern statt fordern!
Mit diesem Kommentar zeigt Herr Meurer leider Kurzsichtigkeit.

der zügellose Import von Pflegefachkräften kann nach wie vor keine Lösung sein, zudem pflegefachlich interessantere Länder unserer Bundesrepublik hier auch schnell das Wasser abgraben würden.

Wer ein bisschen in zahlreiche Studien (DIP-, NEXT- und andere)schaut, die aktuellen Zahlen des DPR mal darüberlegt und sein Ohr den berufspolitischen Entwicklungen zuwendet, sollte langsam aber sicher zu dem Ergebnis kommen, dass hier eher eine zielgerichtete Aus- und Weiterbildung guter Pflegehilfskräfte sowie eine schnelle Entwicklung der Akademisierung in der Pflege von Nöten ist. Auch die Neuordnung im (ärztlichen und) Pflegedienst brennt heißer denn je auf den Nägeln. Gerade hier sind die Geister aber leider gespalten - und die Ressourcen riesig. Unterstützung gerne - Vergütung, nein Danke? Und im klinischen Bereich können wir uns hier ja noch glücklich schätzen - im Altenhilfebereich ist da da schon deutlich desolater und das Motto "still-satt-sauber" vertreibt scharenweise ausgebildete Fachkräfte in andere Arbeitsbereiche.

Magnetkrankenhäuser, die die Pflege aufwerten und mit pfiffigen Personalentwicklungsstrategien arbeiten, sehen eine deutliche Entschärfung der Personalsituation, und trotzdem bleibt es schwer. Hier lohnt es sich auch, dass Europäische Qualifikationsmodel etwas genauer anzuschauen.

Verändwerung tut Not, das ist richtig, aber um eine Aufwertung der Pflegeberufe führt kein Weg herum. Diese Aufwertung muss monitär abgebildet werden - aber in erster Linie auch inhaltlich!

Eine signifikante Steigerung des Zuzugs gut ausgebildeter Pflegefachleute aus dem Ausland, die für Ihre Arbeit in undserem Land gute Bedingungen finden, wäre ein Kompliment - die platte Recrutierung von arbeitswilligen Gastarbeitern eher eine schande.

Ich hoffe auf eine substanzielle Verbesserung der Pflege, und da bin ich nicht alleine. zum Beitrag »

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