Ärzte Zeitung, 04.04.2012

Wie pflegende Angehörige entlastet werden können

Die Psychotherapeuten-Vereinigung hat zusammen mit Senioren-Organisationen einen Ratgeber entwickelt, der pflegenden Angehörigen Hilfe vermittelt.

Von Anne-Christin Gröger

KÖLN. Einen pflegebedürftigen Angehörigen auf längere Zeit zu versorgen kann zu einer körperlichen und seelischen Zerreißprobe für die Pflegenden werden.

Im Spannungsfeld zwischen Pflege, Beruf und eigener Familie wird vor allem die Psyche der Angehörigen auf Dauer belastet.

Niedergelassene Ärzte sollten deshalb bei der medizinischen Betreuung des Pflegebedürftigen auch die Bedürfnisse der Angehörigen im Blick haben. Sie sollten sie bei Schwierigkeiten auf professionelle Hilfe von Pflegeberatungen oder Psychotherapeuten aufmerksam machen.

Das empfahl Dieter Best, Vorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) anlässlich der Vorstellung der Broschüre "Entlastung für die Seele - Ein Ratgeber für pflegende Angehörige" in Köln.

Ein Bewusstsein für psychische Bedürfnisse schaffen

Die DPtV hat den Ratgeber in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) herausgegeben.

Die Initiatoren wollen bei pflegenden Angehörigen ein Bewusstsein für ihre psychischen Bedürfnisse schaffen und ihnen helfen, ihre Gefühle mit Abstand zu betrachten.

"Anders als professionelle Pflegekräfte haben Angehörige weder vorgegebene Strukturen noch feste Arbeits- und Urlaubszeiten", sagte Gudrun von Stösser, Autorin der Broschüre. "In ihrer individuellen Situation müssen sie ihre Erholungszeiten eigenständig managen."

Zudem könnten professionelle Pfleger sich die emotionale Distanz bewahren. Angehörige sind mit dem Pflegebedürftigen hingegen emotional verbunden.

"Das kann belasten, vor allem, wenn Konflikte schon lange schwelen", sagte Professor Ursula Lehr, Vorsitzende der BAGSO.

"Viele Angehörige haben Angst, von der Umgebung als ,Rabenkind‘ abgestempelt zu werden, wenn sie Mutter oder Vater in ein Pflegeheim geben."

Das führt oft zu einer seelischen Überlastung und Erschöpfung, im schlimmsten Fall zu einem Burn-out.

Zwei Teile

Der Ratgeber setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Im ersten Teil können sich Betroffene über typische seelische Probleme informieren, die sich aus dem Pflegealltag ergeben.

"Dazu gehören Stress und Überforderung, Angst und Aggression sowie die Veränderung der Rollenverhältnisse, wenn Vater oder Mutter sich plötzlich wie ein Kind verhalten, aber auch der Umgang mit Medikamenten und Alkohol", sagte von Stösser.

Der zweite Teil zeigt auf, wie Betroffene sich Auszeiten nehmen können.

Der Ratgeber kann auf der Seite der BAGSO (www.bagso.de) kostenlos bestellt oder unter www.bagso.de/publikationen.html heruntergeladen werden.

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