Ärzte Zeitung, 24.04.2012

Kommentar zur Pflege

Ohne Druck bleiben Fortschritte rar

Von Florian Staeck

"Pflege-Schande" titelte ein Boulevardblatt im September 2007, als der Medizinische Dienst damals seinen Pflegequalitäts-Bericht vorlegte.

Jeder zehnte Heimbewohner, so das Fazit vor fünf Jahren, bezahlt mit gesundheitlichen Schäden für schlechte Organisation, fehlende Qualitätssicherung und Zeit- und Personalmangel.

Am Dienstag nun haben die Prüfer der Pflege in Heimen und durch ambulante Dienste teilweise Fortschritte bescheinigt - so ist zum Beispiel die Ernährung der Heimbewohner besser geworden.

Anders sieht es dagegen bei Druckgeschwüren aus, der Anteil der betroffenen Pflegebedürftigen ist nicht gesunken. Hier offenbart sich ein Mechanismus: Die Qualität steigt - wie beim Essen und Trinken - dort, wo Prüfer besonders streng hinschauen und eine bessere Dokumentation forcieren.

Anders formuliert: Fortschritte in der ambulanten und stationären Pflege sind keine Selbstläufer.

Doch es warten zusätzliche Herausforderungen: Der Deutsche Ethikrat hat mit seinem neuen Positionspapier zu Demenz den Finger in die Wunde gelegt.

Sollen Demenzkranke, wie es ethisch geboten ist, möglichst lange in ihrer selbstständigen Lebensführung unterstützt werden, dann kostet das mehr Geld.

Lesen Sie dazu auch:
Pflegeheime: Schmerztherapie mit Defiziten
Potenzial von Demenzkranken anerkennen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

EU muss den Patienten dienen!

Bis Sonntag wird das neue EU-Parlament gewählt. Die deutsche Ärzteschaft warnt vor zuviel Einfluss der EU auf das deutsche Gesundheitssystem. mehr »

Zeit, die Vorurteile zu beerdigen

Risikoscheu und faul – als angestellter Arzt in der ambulanten Versorgung hat man bei Ärzten alten Schlages mit Vorurteilen zu kämpfen. Über ihre Erfahrungen berichtet Allgemeinmedizinerin Dr. Kristina Zimmermann. mehr »

Der Königsweg für den richtigen Datenschutz ist umstritten

Am Samstag jährt sich das Inkrafttreten der DSGVO zum ersten Mal. Doch noch immer ist vielen Ärzten einiges unklar. Die Datenschützer aus Bayern tun sich mit strikten Ansichten hervor – stehen damit aber nicht allein. mehr »