Ärzte Zeitung, 16.11.2012

Kommentar zur Pflegevollversicherung

Eine neue Pflegedebatte

Von Anno Fricke

Das Gutachten, das die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di am Donnerstag vorgelegt hat, enthält zu viele Variablen, als dass daraus echte Schlüsse auf die tatsächlichen Kosten einer Pflege-Vollversicherung gezogen werden könnten. Sein Verdienst ist es, die sich abzeichnende strukturelle Unterfinanzierung der Pflege wieder in die öffentliche Debatte zu bringen.

Die soziale Pflegeversicherung wurde 1995 als Teilkostenversicherung eingeführt. Sie soll den pflegebedingten Mehraufwand im Alter abdecken. Was darüber hinaus geht, müssen der Pflegebedürftige selbst, seine Angehörigen und die Sozialämter in den Kommunen zuzahlen.

Längst ist bekannt, dass die meisten Pflegebedürftigen in Haushalten mit geringen Einkommen leben. Sowohl die Zahl dieser Haushalte als auch die Zahl der Pflegebedürftigen insgesamt wird steigen. Das legen alle demografischen Prognosen nahe. Die bessere Pflege können sich auch heute schon nur die besser Situierten leisten.

Dass deutlich mehr Geld in die Pflege fließen muss, als die von der Regierung beschlossene Förderung freiwilliger Pflegevorsorge bereitstellen kann, ist in allen Parteien unbestritten. Die Diskussion, woher das Geld für das aufziehende gesellschaftliche Pflege-Risiko kommen soll, könnte also sofort beginnen.

Lesen Sie dazu auch:
ver.di: Pflegevollversicherung ist die Lösung

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