Ärzte Zeitung, 26.03.2013

Angebote

Das kostet und bringt der Pflege Bahr

Die staatlich geförderte private Pflegeversicherung, der sogenannte Pflege-Bahr, kann sowohl interessant für jüngere Ärzte sein als auch - weil ohne Gesundheitsprüfung - für ältere. Inzwischen haben mehrere Versicherer Angebote vorgelegt.

Von Ilse Schlingensiepen

Das kostet und bringt der Pflege Bahr

Wer zehn Euro monatlich zahlt, kann das Pflegerisiko im Alter zusätzlich besser absichern.

© gabrielejasmin / fotolia.com

KÖLN. Seit dem 1. Januar zahlt der Staat beim Abschluss einer geförderten Pflegetagegeldversicherung einen Zuschuss von 60 Euro im Jahr.

Ihn kann jeder in Anspruch nehmen, der das 18. Lebensjahr vollendet hat und noch nicht pflegebedürftig ist.

Der Versicherte muss selbst einen Beitrag von mindestens zehn Euro im Monat leisten. Für die Tarife hat der Gesetzgeber den Krankenversicherern eine Reihe von Bedingungen vorgegeben.

Dazu gehören der Annahmezwang und der Verzicht auf die Gesundheitsprüfung. Allerdings gilt eine Wartezeit: In den ersten fünf Jahren nach Abschluss der Police zahlt der Versicherer bei Pflegebedürftigkeit nicht.

Nachträgliche Aufstockung möglich

Für die Pflegestufe III müssen die Unternehmen monatlich mindestens 600 Euro zahlen, in den anderen Pflegestufen gibt es weniger.

Die Tarife sind so kalkuliert, dass 40-Jährige mit 15 Euro Beitrag - inklusive Förderung - die monatliche Leistung von 600 Euro erhalten. Ältere zahlen mehr, Jüngere bekommen für ihren Beitrag eine höhere monatliche Leistung.

"Für jüngere Ärzte kann der Pflege-Bahr ein guter Einstieg sein", sagt Clemens Keller, Leiter Krankenversicherung beim Finanzdienstleister MLP. Wenn sich der finanzielle Spielraum der Ärzte erhöht, könnten sie den Pflegeschutz später aufbessern.

"Sie können dann entweder die geförderte Police aufstocken oder eine klassische Pflegetagegeldversicherung abschließen."

Zur Deckung der Kosten, die in Pflegestufe III entstehen, werden in den meisten Fällen die Leistungen der Pflegepflichtversicherung und des Pflege-Bahrs nicht ausreichen. "Ärzte wollen in der Regel eine umfassende Absicherung", weiß der Experte.

Wahl zwischen geförderten und nichtgeförderten Policen

Unternehmen mit Vollversicherungstarifen für Ärzte wie Allianz, Axa, Barmenia oder DKV haben für die geförderte Pflegezusatzversicherung keine speziellen Angebote für diese Klientel im Programm.

Sie können nur wie alle anderen Kunden zwischen geförderten und nicht geförderten Policen wählen - und bei den nicht geförderten auch höhere Tagegelder als beim Pflege-Bahr vereinbaren. "Jeder muss sich genau überlegen, welches Leistungsprofil er sucht", betont Keller. Eine Beratung sei notwendig.

Bei der Allianz kostet einen 35-Jährigen eine Pflege-Bahr-Police 15,73 Euro im Monat für ein Pflegegeld von 750 Euro im Monat in Pflegestufe III. Der Staat bezuschusst den Beitrag mit fünf Euro.

Der "normale" Tarif PZTBest kostet 13,12 Euro für 600 Euro monatliche Leistung. 50-Jährige zahlen für den Pflege-Bahr 23,14 Euro für 600 Euro Leistung, in dem anderen Tarif 26,12 Euro für 600 Euro.

Die Axa nimmt von 35-Jährigen 15,54 Euro für den Pflege-Bahr mit 600 Euro Leistung, und 25,44 Euro von 50-Jährigen.

Bei vielen gilt: Erst Pflege-Bahr, dann ungeförderte Pflegetagegeld-Police

Der ungeförderte Tarif "Pflegevorsorge Flex", der in Pflegestufe III monatlich 1800 Euro zahlt, kostet monatlich 52,08 Euro respektive 64,26 Euro.

Bei Anbietern wie der Barmenia und der Debeka können Kunden die ungeförderten klassischen Pflegetagegeld-Policen nur noch abschließen, wenn sie zuvor eine Pflege-Bahr-Versicherung gekauft haben.

Der Pflege-Bahr kostet bei der Barmenia 15 Euro monatlich für 35-Jährige bei 678,73 Euro Leistung, 50-Jährige zahlen 34,48 Euro für 600 Euro.

Zudem lässt sich ein Pflegemonatsgeld von bis zu 2500 Euro absichern. Das kostet 35-Jährige 50,85 Euro inklusive staatlicher Förderung und 50-Jährige 126,35 Euro.

Keine Gesundheitsprüfung

Wegen des Verzichts auf die Gesundheitsprüfung können die geförderten Angebote für Ärzte mit Vorerkrankungen interessant sein. Wollen sie die Police aufstocken, stellen die Versicherer zwar wieder Gesundheitsfragen, sie sind aber toleranter als bei den klassischen Zusatzversicherungen, so Keller.

Auch für Kunden, die bei der Pflegetagegeld-Police aus finanziellen Gründen die Dynamisierung ausgesetzt haben, könne der Pflege-Bahr eine Option sein, sagt er.

Wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hat, wird es schwierig, bei Bedarf das Leistungsniveau zu erhöhen, denn dann verlangt der Versicherer eine erneute Gesundheitsprüfung.

"Hier kann eine zusätzliche Pflege-Bahr-Police Sinn ergeben." Denn dann entfalle die Gesundheitsprüfung.

[26.03.2013, 08:04:06]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Versicherungswirtschaft setzt auf "sozialverträgliches Frühableben"?
Schon bei der Gesetzlichen Pflegeversicherung zeigt sich in meiner hausärztlichen Praxis, dass heftige Kritik am damaligen Ausspruch von Ex-BÄK-Präsident Prof. Dr. med. Karsten Vilmar über
"sozialverträgliches Frühableben" mehr als unangemessen war. Denn viele meiner Schwerstkranken, denen mit Bettlägerigkeit, Hilflosigkeit und 24-H-Aufsichts- und Pflegebedürftigkeit gerade Mal die Pflegestufe 2 bewilligt wurde, bekamen erst postmortal eine Pflegestufe 3 rückwirkend bewilligt, wenn trauernde Angehörige sich nicht entmutigen ließen, die höhere Pflegestufe energisch nachzufordern.

G e s e t z l i c h e Pflegeversicherung in Abhängigkeit der Pflegestufe bedeuten folgende Höchstsätze als geldwerte Leistungen: 450 EUR Stufe 1 / 1100 EUR Stufe 2 / 1.550 EUR Stufe 3 (ab 01.01.2012).
P r i v a t e Pflege-Zusatzversicherungen, welche n u r Pflegestufe 3 mit 600,- € mtl. zusätzlich absichern, haben für Versicherungskonzerne zwei wesentliche Vorteile: 1. Der Leistungsfall tritt bis auf wenige Ausnahmen höchst selten ein. 2. Die Zahlungsverpflichtung von 600,- € mtl. verbessert die Lage der Versicherungsnehmer und ihrer Angehörigen nicht entscheidend. Weitere Vorteile für die Versicherungen: Die Leistungspflicht tritt erst 5 Jahre n a c h Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung ein. Bezuschusste private Pflegeversicherungen können jetzt oder in naher Zukunft mit höheren Prämien dynamisiert werden, weil die Kunden eh' den staatlichen Zuschuss von 5,- € monatlich kassieren.

Der gut recherchierte Artikel von Frau Schlingensiepen gibt eine Faustformel vor: "Die Tarife sind so kalkuliert, dass 40-Jährige mit 15 Euro Beitrag – inklusive Förderung – die monatliche Leistung von 600 Euro erhalten." Das bedeutet allerdings für einen 85-Jährigen, dem die Pflegestufe 3 ausnahmsweise noch zu Lebzeiten bewilligt wurde und der bis dahin 8.100 Euro eingezahlt hatte, dass er nur für wenige Monate 600 € als Versicherungsleistung erhalten wird. Für die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger wird es aber eher so ausgehen, wie in der Überschrift angedeutet.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Mauterndorf/A)  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »

Eine Milliarde Euro mehr für Ärzte? KBV ist "enttäuscht"

Die Vertragsärzte in Deutschland bekommen im nächsten Jahr knapp eine Milliarde Euro mehr an Honorar. Das ist das Ergebnis der Honorarverhandlungen zwischen KBV und GKV-Spitzenverband. mehr »