Ärzte Zeitung, 08.05.2013
 

Demenzkranke

Info-Chaos für Hausärzte

Jede Gemeinde hat andere Hilfe-Strukturen: Das erschwert Hausärzten die Arbeit mit Demenzkranken ungemein. Ein Modellprojekt in Gießen will die Schwachstellen nun aufzeigen.

Von Sabine Schiner

Info-Chaos für Hausärzte

Bei der Versorgung von Demenzkranken hapert es oft in der Kommunikatin zwischen Kliniken, Angehörigen, Pflegediensten und Hausärzten.

© photos.com PLUS

GIEßEN. Hausärzte sind oft zu wenig vernetzt, wenn es darum geht, Betreuungsangebote für Demenzkranke zu finden. Ein Modellprojekt in Gießen versucht, die Sektorengrenzen zu überwinden und Schwächen und Störungen aufzuzeigen.

"Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind durch ein Modellprojekt nicht zu ändern. Auf lokaler Ebene ist jedoch einiges machbar", sagt die Gerontologin Juliane Vogel vom Diakonischen Werk Gießen.

Sie begleitet das im Februar 2012 gestartete Modellprojekt "Entlassung in die Lücke" für Demenzkranke und ihre Angehörige.

Es wird vom Sozialministerium in Wiesbaden und den Krankenkassen mit 110.000 Euro pro Jahr unterstützt, die wissenschaftliche Begleitung hat die Justus-Liebig-Universität in Gießen übernommen.

Informationsaustausch nicht optimal

Die größte Hürde, so ein Zwischenergebnis, sind die Sektorengrenzen zwischen dem SGB V und SGB VI. Vor allem der Informationsaustausch zwischen Kliniken, Angehörigen, Pflegediensten und Hausärzten klappt nicht optimal.

So kämen etwa manche Überleitungsbögen, in denen Klinikmitarbeiter bei der Entlassung kognitive Störungen der Patienten vermerken, nicht bei Hausärzten oder Pflegediensten an.

"Das ist meist vom persönlichen Engagement Einzelner abhängig", so ihre Erfahrung. Bei der Betreuung von Demenzkranken gebe es gerade bei Hausärzten Informationsdefizite. "Sie sind oft erfolglos auf der Suche nach Ansprechpartnern vor Ort", sagt Juliane Vogel.

Lokale Alzheimergesellschaft initiiert

Jede Gemeinde habe andere Strukturen. In Gießen und dem Landkreis gebe es derzeit etwa 4000 Patienten mit der Diagnose Demenz. Ein zentrales Register für Netze gibt es nicht.

Die Projekt-Mitarbeiter haben die Gründung einer lokalen Alzheimergesellschaft initiiert, die auch als Anlaufstelle für Hausärzte dienen soll.

Ein weiteres Instrument, das sich bewährt hat, sind Kooperationstreffen, bei denen alle drei Monate Hausärzte und Vertreter von Kliniken, Sozialdiensten und Pflegediensten zusammenkommen. "Da gibt es großen Gesprächsbedarf."

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