Ärzte Zeitung, 23.04.2013
 

Pflegekammer

Monster oder Zukunftsmodell?

Die Debatte um den Sinn von Pflegekammern in Deutschland geht weiter.

Monster oder Zukunftsmodell?

Kammer ist Schlüssel für Ausgestaltung des Berufsfeldes Pflege: Andreas Westerfellhaus vom Deutschen Pflegerat.

© Maria Dobos

DRESDEN. "Ein bürokratisches Monster!", "Ein Angriff gegen die Freiheit!", "Bringt nur Pflichten, keine Rechte!" - das "Monster", von dem hier die Rede ist, heißt: Pflegekammer.

Schleswig-Holstein hat diese Befürchtungen der Widersacher nicht gelten lassen und als erstes Bundesland Ende letzten Jahres die Errichtung einer Pflegekammer beschlossen.

"Wir rechnen damit, dass die Pflegekammer im Sommer 2014 ihre Arbeit aufnimmt", berichtete Iris Gebh, stellvertretende Vorsitzende des Pflegerates Schleswig-Holstein, auf dem Interprofessionellen Pflegekongress in Dresden.

Bei einer Diskussionsrunde prallten die Argumente von Befürwortern und Gegnern einer Pflegekammer aufeinander.

"Es handelt sich um eine Zwangsmitgliedschaft", gab Dr. Matthias Faensen zu bedenken. Er vertrat als Vorsitzender der Landesgruppe Sachsen den Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa).

Pflegekammer als Schlüssel

Faensen und der bpa sind der Ansicht, dass die Pflegekammer dem Beruf nicht zu mehr Anerkennung verhilft und auch an den materiellen Gegebenheiten für die Pflegekräfte nichts ändern wird. Faensen sprach von einer "Pflegekammer light".

Denn im Gegensatz zur Ärztekammer sei die Pflegekammer nicht als Versorgungswerk angedacht.

Eine Pflegekammer werde auch nicht Tarifverhandlungen führen, betonte Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates. Das sei Aufgabe der Gewerkschaften.

"Doch die Pflegekammer ist der entscheidende Schlüssel zur Ausgestaltung des Berufsfeldes", so Westerfellhaus. "Wir müssen bei Gesetzen mitbestimmen können."

Einen Vorteil der verpflichtenden Mitgliedschaft hob Michael Junge hervor, Vorsitzender des Sächsischen Pflegerates: "Eine der wichtigsten Aufgaben der Pflegekammer ist ein Fachkräftemonitoring. Denn wir haben keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Pflegekräfte es in Deutschland überhaupt gibt."

Ein Schritt zur Pflegekammer ist in Sachsen bereits getan: Nach dem Saarland, Bremen und Hamburg ist nun auch in Sachsen Ende 2012 eine Berufsordnung für examinierte Pflegende in Kraft getreten.

"Die Berufsordnung regelt zum Beispiel eine verbindliche Fort- und Weiterbildung", berichtete Junge. Doch wer überprüft eigentlich diese Vorgaben? "Die Pflegekammer muss dieses Vakuum füllen", forderte er. (an)

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