Ärzte Zeitung, 17.06.2013
 

Pflegebegriff

Pflege-Arbeitgeber fordern mehr als nur ein "Reförmchen"

Der neue Pflegebegriff muss mehr auslösen als ein "Reförmchen", fordern Pflegefachleute. Sie sehen die Länder in der Pflicht, mehr Pflegekräfte anzuwerben - auch ausländische.

Von Sunna Gieseke

Pflege-Arbeitgeber fordern mehr als nur ein "Reförmchen"

Pflegekräfte bei einer Besprechung: Es wird laut Experten immer schwieriger, offene Stellen zu besetzen. Verbände werben dafür, Pflegekräfte auch im Ausland anzuwerben.

© Peter Steffen / dpa

BERLIN. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff darf nicht nur eine leere Worthülse bleiben: "Eine Umsetzung ist aber nur dann sinnvoll, wenn es einen tatsächlichen Mehrwert gibt."

Das hat der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer, während der Fachtagung des Verbandes am Freitag in Berlin gefordert. Letztlich komme es darauf an, dass konkrete Zahlen für die Finanzierung geliefert würden.

Neuer Begriff nicht schnell umsetzbar

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) verteidigte die Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs: Die 15 Monate für den neuen Bericht des Expertenbeirates seien gut investiert.

Viele offene Fragen wie zum Beispiel bei der Abgrenzung von Begutachtungen hätten damit beantwortet werden können.

Das Gutachten des Pflegebeirates aus dem Jahr 2009 habe diese Fragen nicht geklärt. Hätte die schwarz-gelbe Koalition den Vorgängerbericht umgesetzt, hätte das aller Voraussicht nach zu zahlreichen Problemen geführt, so Bahr. Vor allem dürfe durch den neuen Begriff niemand schlechter gestellt werden.

Wichtig sei vor allem, dass der alte Begriff, der rein somatisch definiert sei, jetzt korrigiert werde. "Wir brauchen einen Begriff, der den besonderen Betreuungsaufwand von Demenzpatienten berücksichtigt", so Bahr.

Ein neuer Begriff sei jedoch nicht schnell umsetzbar. Dies sei erst in der nächsten Legislaturperiode möglich.

Mit dem Pflegeneuausrichtungsgesetz sei jedoch der Grundgedanke des neuen Pflegebegriffs aufgegriffen worden: Die Koalition habe finanzielle Hilfen für an Demenz erkrankte Menschen deutlich verbessert.

Laut Bundesgesundheitsministerium wird der Bericht des "Expertenbeirates zur konkreten Ausgestaltung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs" am 27. Juni dem Minister übergeben.

Personalschlüssel muss verbessert werden

Bpa-Präsident Meurer sieht aber auch die Länder in der Pflicht, die Situation in der Pflege zu verbessern. "Es gibt einfache Instrumente, um für alle Pflegebedürftigen etwas zu tun", sagte Meurer. Dazu müsse lediglich der Personalschlüssel um zehn Prozent verbessert werden.

Allerdings gebe es gleichzeitig einen Fachkräftemangel in der Pflege: Um dieses Problem zu lösen, müsse ausländischen Pflegefachkräften der Weg gebahnt werden, forderte Meurer.

Insbesondere brauche es dazu unbürokratische Anerkennungsverfahren in allen Bundesländern. Zudem müsse es für die Pflegeheime auch Zusagen zur Refinanzierung geben.

Die Arbeitgeber müssten pro ausländischer Pflegekraft mit Kosten von bis zu 11.000 Euro für Vermittlungsgebühren, Praktika und Deutschkursen rechnen, bis die Kräfte tatsächlich anfingen zu arbeiten.

Generell gelte: "Die Situation in der Altenpflege wird sich aufgrund der demografischen Entwicklung künftig eher noch verschärfen", so Meurer.

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