Ärzte Zeitung, 14.08.2013

Transparency beklagt

Massive Korruption in der Pflege

Transparency Deutschland beklagt in einer Studie massive Korruption in der Pflege, das Bundesgesundheitsministerium meldet Zweifel an der Aussagekraft an.

BERLIN. Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency hat in einer neuen Studie harsche Kritik an Zuständen im Pflegebereich in Deutschland geübt.

Es gebe zu wenig Kontrollmöglichkeiten und jede Menge Optionen, die Abhängigkeit von Menschen mit Pflegebedarf wirtschaftlich auszubeuten, hieß es bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

"Die Vielzahl der Akteure und der gesetzlichen und Verwaltungsvorschriften machen es schwierig, Verantwortlichkeiten eindeutig zuzuordnen. Dadurch entstehen Einfallstore für Betrug und Korruption", sagte die Co-Autorin der Studie und frühere hessische SPD-Sozialministerin Barbara Stolterfoht.

Mehr Pflegeleistung aufgeschrieben als geleistet

Zu wenig Kontrollen, lasche Regeln und zu viel Bürokratie würden die Betreiber von Heimen und ambulanten Pflegediensten dazu einladen, das System auszuplündern, so die Autorin Anke Martiny.

Bei ambulanten Diensten passiere es etwa, dass mehr Pflegeleistungen aufgeschrieben und abgerechnet würden als geleistet, ergänzte Stolterfoht.

Beim Bundesgesundheitsministerium ist die Studie inzwischen auf erhebliche Vorbehalte gestoßen. Sie enthalte Schwächen und beschränke sich teils auf pauschale Aussagen, sagte eine Sprecherin.

Transparency habe nicht die Mittel für eine ausführliche Erhebung, räumten die Autorinnen ein. Die Studie sei mit weiteren Experten verfasst worden und basiere auf Fachberichten, Fachliteratur sowie Interviews. (fuh)

Topics
Schlagworte
Pflege (5370)
Krankheiten
Suchtkrankheiten (4781)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

"Manche Wortwahl irritiert mich sehr"

Gesundheitsminister Spahn wird wegen des TSVG von Ärzten kritisiert. Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" betont er: Es wird mit Falschinformationen Stimmung gemacht. mehr »

Galenus-Gala 2018 – Das sind die Gewinner

Was zeichnet innovative Arzneimittelforschung aus? Vier Medikamente und eine Forschergruppe erhalten den Galenus-von-Pergamon-Preis 2018. Für beispielhaftes soziales Engagement wurde zudem der CharityAward verliehen. mehr »

Stammzelltherapie stoppt aggressive MS

Je früher, desto wirksamer – auch bei der autologen Stammzelltransplantation: Die Aktivität der Multiplen Sklerose lässt sich wohl komplett unterbinden, wenn die Methode als First-line-Therapie eingesetzt wird. mehr »