Ärzte Zeitung, 20.11.2013
 

Neue Legislatur

Pflegerat fordert schnelle Reformen

Pflegerats-Präsident Westerfellhaus gibt Schwarz-Gelb schlechte Noten und formuliert Erwartungen an die neue Regierung.

HAMBURG. Der Deutsche Pflegerat (DPR) setzt auf den Dialog mit der Politik. Unabhängig von der Besetzung des Chefsessels im Gesundheitsministerium fordert DPR-Präsident Andreas Westerfellhaus, dass Pflege künftig als zentrale politische Aufgabe begriffen wird und anstehende Herausforderungen zügig angepackt werden.

"Die Pflegeversorgung ist die gesundheits- und sozialpolitische Herausforderung der neuen Legislaturperiode", sagte Westerfellhaus auf dem elften Gesundheitspflegekongress in Hamburg, der in Kooperation mit Springer Medizin veranstaltet wurde.

Eine Bewältigung dieser Herausforderung ist nach seiner Ansicht nicht ohne Einbeziehung der Pflegenden selbst möglich. Der dafür erforderliche Austausch zwischen Politik und Pflegenden erfordere mehr Dialog als in der abgelaufenen Legislaturperiode, die Westerfellhaus als "Flop" wertete.

"Es ist beschämend, dass vier Jahre Regierungszeit nur für ein Eckpunktepapier gereicht haben", bilanzierte der DPR-Präsident.

"Die Menschen vertrauen uns"

Er nutzte den Kongress, um den Pflegenden den eigenen Stellenwert und das Potenzial der Pflegeberufe zu verdeutlichen.

"Die Menschen vertrauen uns. Wir wirken in alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche hinein. Pflege kann von niemandem ersetzt werden", verdeutlichte Westerfellhaus. Diese Einsicht ist nach seiner Einschätzung aber längst noch nicht bei allen Politikern vorhanden.

Von der neuen Regierung erwartet der Pflegerat deutlich mehr als nur Wertschätzung: "Schnelles politisches Handeln" mit dem zügigen Einstieg in eine Pflegereform, so lautet die Forderung des Verbandes.

Das Anwerben ausländischer Kollegen zur Lösung deutscher Probleme hält Westerfellhaus für keine Lösung, solange die Rahmenbedingungen nicht verbessert werden.

Erst dann seien Bedingungen vorhanden, damit ausländische Pfleger langfristig in Deutschland arbeiten und deutsche Kollegen sich nicht mit Abwanderungsgedanken beschäftigen. Politischen Überlegungen, die Sprachanforderungen für ausländische Kollegen zu senken, erteilte Westerfellhaus eine Absage.

Es fehlt an Wertschätzung

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia-Prüfer-Storcks (SPD) bekräftigte auf dem Kongress ihre Haltung, dass Deutschland seine Pflegeprobleme nicht mit ausländischen Pflegekräften lösen sollte - für sie auch eine ethische Frage, da die Anwerbung möglicherweise Probleme in den Herkunftsländern verstärkt.

"Wir müssen unsere Hausaufgaben selbst machen", betonte Prüfer-Storcks. Manche ausländischen Fachkräfte seien zum Teil enttäuscht, weil sie in Deutschland nicht so eigenständig arbeiten dürfen wie sie es aus ihrer Heimat kennen.

Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen zählt der Pflegerat neben einer besseren Bezahlung und mehr Wertschätzung auch ein Stopp der in den vergangenen Jahren stetig gestiegenen Arbeitsverdichtung. "Professionelle Pflege wird bei uns im Dauerlauf erledigt", so die Erfahrung von Westerfellhaus.

Dabei beobachtet er eine unter dem Strich gute Zusammenarbeit mit den Ärzten - wozu sich nach seiner Ansicht auch keine Alternative bietet. Beide Seiten müssten aber aufpassen, dass sie sich nicht von externer Seite gegeneinander ausspielen lassen.

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