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Ärzte Zeitung online, 06.01.2014

Senator dafür, Verbände dagegen

Diskussion um Pflegekammer in Berlin

Braucht Berlin eine Pflegekammer? Darüber gehen die Meinungen auf einer Fachtagung in der Hauptstadt auseinander. Senator Mario Czaja kündigte dort eine Befragung unter Pflegekräften an.

BERLIN. Soll in Berlin eine Pflegekammer gegründet werden? Das will Gesundheits- und Sozialsenator Mario Czaja (CDU) von den Pflegekräften in der Hauptstadt wissen.

Eine entsprechende Befragung hatte er bereits zur Jahresmitte erstmals angekündigt. Anlässlich einer Fachtagung hat er diese Ankündigung nun erneut bekräftigt.

"Mir ist es wichtig zu erfahren, wie die Pflegefachkräfte selbst über eine Pflegekammer denken und ob eine Mehrheit von ihnen die Errichtung einer solchen Kammer mittragen würde. Wir wollen nicht am Bedarf vorbei planen", so Czaja.

Er selbst zählt eher zu den Befürwortern der Verkammerung: "Eine Pflegekammer würde meiner Auffassung nach dem Image der Pflegeberufe dienen und die Außenwahrnehmung des Berufsstandes verbessern", so der Senator weiter.

Einer Pflegekammer käme zudem in Fragen der Berufsausbildung, der Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen und der Festlegung von Qualitätsstandards der Pflegearbeit großer Gestaltungsspielraum zu.

"Wir wollen insgesamt eine offene Debatte führen und auch kritische Positionen einbeziehen", kündigte er an.

Vielfalt der Pflege unter einem Dach bündeln

Der Landespflegerat (LPR) Berlin / Brandenburg begrüßt diese Ankündigung des Senators. LPR-Vorsitzende Christine Vogler ist überzeugt: "Die Pflege braucht eine Kammervertretung um die künftigen Anforderungen im Gesundheitswesen mitbestimmen und -gestalten zu können."

Pflege habe sich in den letzten Jahrzehnten sowohl professionalisiert als auch akademisiert und könne sich mit einer eigenen Expertise in die Fachdiskussionen einbringen und den gesellschaftlichen Auftrag der pflegerischen Versorgung damit sicherstellen.

Eine Kammer könne die Vielfalt der pflegerischen Arbeit unter einem Dach bündeln. Vogler schreibt ihr aber unter anderem auch Beratungs-, Gutachtungs- und Schlichtungsaufgaben, die Regelung der Berufsausübung, der Berufspflichten und der Fort- und Weiterbildung zu.

"Gleichzeitig erhöhen wir durch eine eigene Vertretung die Attraktivität des Berufes und können somit zum Beispiel dem Fachkräftemangel entgegenwirken", so ihr Plädoyer.

Wohlfahrtsverbände: Probleme werden nicht gelöst

"Eine Kammer schadet nicht, hilft aber vermutlich auch nicht", sagt dagegen der Vorsitzende der Liga der Wohlfahrtsverbände in Berlin Martin Matz.

Auf die Forderungen der Pflege nach einer Sicherung des Fachkräftenachwuchses, den Abbau von Dokumentationsbürokratie, besserer Finanzierung und besseren Personalschlüsseln, einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff in der Altenpflege und eine faire Bezahlung im Vergleich zu anderen Branchen ist eine Kammergründung nach seiner Auffassung nicht die richtige Antwort. "Keines dieser Probleme wird durch die Kammer gelöst", sagte Matz.

Die meisten Probleme müssten auf Bundesebene angegangen werden und nicht auf Landesebene. Zudem habe eine Kammer auch auf Landesebene nur sehr beschränkte Entscheidungsbefugnisse.

Matz warnte daher vor überzogenen Erwartungen an eine Pflegekammer. Dass Ärzte eine so starke Lobby hätten, liege nicht an den Ärztekammern. Dass Ärzte ihre Interessen so gut durchsetzen könnten, habe viele Ursachen, die Ärztekammer gehöre jedoch nicht dazu. "Also Vorsicht vor einfachen Gleichungen", so Matz. (ami)

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