Ärzte Zeitung, 07.04.2014

Pflegereform

Lohnersatz bei Pflegeauszeit

Arbeitnehmer sollen ab Januar 2015 Lohnersatzleistungen direkt aus der Pflegekasse erhalten.

Lohnersatz für Pflegeauszeit

Die Pflegebeiträge sollen in zwei Stufen angehoben werden, verkündet Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

© David Vogt

NEU-ISENBURG. Arbeitnehmer, die einen Pflegeplatz für Angehörige organisieren und deshalb eine Auszeit nehmen müssen, können ab Januar 2015 mit Lohnersatz aus der gesetzlichen Pflegeversicherung rechnen.

Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf ein internes Papier des Gesundheitsministeriums berichtet, sollen dafür bis zu 100 Millionen Euro jährlich bereitstehen.

Beschäftigte dürfen schon heute für zehn Tage mit der Arbeit aussetzen, wenn ein Pflegenotfall eintritt. Künftig sollen sie jedoch eine Leistung erhalten, die sich an der Höhe des Kinderkrankengeldes orientiert und 70 Prozent des beitragspflichtigen Bruttolohnes ausmachen soll.

Auch höhere Zuschüsse für barrierefreies Wohnen

Aus dem Papier zu den Reformplänen geht laut "Spiegel" hervor, dass Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vom nächsten Jahr an insgesamt 1,4 Milliarden Euro zusätzlich für die häusliche Betreuung ausgeben will.

Rund 440 Millionen Euro davon sollen demnach in höhere Pflegesätze fließen, die an die Preisentwicklung angepasst werden. Außerdem soll es künftig leichter möglich sein, Senioren in Kurzzeit-, Tages- oder Nachtpflege betreuen zu lassen (Kosten: 355 Millionen Euro) oder pflegende Angehörige durch ambulante Dienste zu entlasten (300 Millionen Euro).

Steigen sollen auch die Zuschüsse für barrierefreies Wohnen (60 Millionen). In die stationäre Pflege in Heimen soll eine weitere Milliarde Euro zusätzlich fließen. Finanziert werden soll all das durch höhere Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

Pflegebeiträge steigen in zwei Stufen

In welchem Umfang die Pflegebeiträge steigen, erklärte Gröhe in einem Interview in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (Ausgabe vom 6. April) - dort stellte er auch die Eckpfeiler der Pflegerreform vor.

Demnach sollen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer einen halben Prozentpunkt mehr beim Beitragssatz zahlen. Dabei gehe man schrittweise vor, zunächst würde der Beitragssatz lediglich um 0,3 Prozent und in einem zweiten Schritt dann um noch einmal 0,2 Prozent angehoben. „Das bringt den Pflegebedürftigen am Ende fünf Milliarden Euro mehr im Jahr“, sagte Gröhe.

Künftig soll es zudem fünf Pflegegrade geben, die dann auch psychische Beeinträchtigungen erfassen sollen. Außerdem sei ein neues Modell der Begutachtung geplant, dieses werde der GKV-Spitzenverband in zahlreichen Einrichtungen zunächst auf seine Praxistauglichkeit testen. (eb/dpa)

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