Ärzte Zeitung online, 17.04.2014

Kommentar

Angehörige sind keine Profi-Pflegekräfte

Das Bundesverfassungsgericht hält sich zu Recht aus der Frage heraus, wie hoch Pflegeleistungen zu vergüten sind.

Von Martin Wortmann

Lassen sich Angehörigenpflege und professionelle Pflege vergleichen? Eigentlich nicht, meint das Bundesverfassungsgericht. Es hat zwei Frauen abgewiesen, die für die gemeinsame Pflege ihres Ehemannes beziehungsweise Vaters Pflegegeld in Höhe der Pflegesachleistungen verlangt hatten.

Pflege aufgrund persönlicher Bindung und Pflege aufgrund beruflicher Profession, das sind tatsächlich verschiedene Dinge. Pflegende Angehörige leisten wertvolle Arbeit, ihnen gebührt hohe Anerkennung. Das Pflegegeld ist als solche Anerkennung gedacht. Wie hoch diese sein soll, ist aber eine gesellschaftliche und damit eine politische Entscheidung.

Professionelle Pflegekräfte haben eine Ausbildung hinter sich. Sie leben von ihrer Arbeit und müssen für Fehler gegebenenfalls haften. Dass sie mehr Geld bekommen als pflegende Angehörige, ist selbstverständlich.

Dass das Pflegegeld nur gut halb so hoch ist wie der Höchstbetrag für Sachleistungen, muss deshalb nicht richtig sein. Das Bundesverfassungsgericht aber ist kein Übergesetzgeber; zu Recht hält es sich aus dieser Frage heraus. Höhere Leistungen könnten sich auch für die Pflegekassen lohnen, wenn dadurch mehr Angehörige zur Pflege bereit sind und so Heimaufenthalte vermieden werden.

Lesen Sie dazu auch:
Verfassungsgericht: Pflegegeld darf geringer als Sachleistungen sein

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »