Ärzte Zeitung, 27.06.2014

NRW

Versorgung im Heim wird ausgeweitet

In Nordrhein-Westfalen haben Kassen und KV einen Vertrag zur besseren Versorgung von Heimbewohnern erprobt. Nun wird er auf fünf Regionen ausgedehnt.

KÖLN. Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hat das Modellprojekt zur verbesserten ärztlichen Versorgung von Patienten in Pflegeheimen in Westfalen-Lippe als "wegweisenden Schritt" begrüßt.

"Das Projekt ist ein positives Ergebnis der erfolgreichen Zusammenarbeit von Akteuren des Gesundheitssystems in unserem gemeinsamen Landesgremium", sagte Steffens.

Mit dem Versorgungsvertrag setzen KV und Kassen in Nordrhein-Westfalen die Empfehlungen des Gemeinsamen Landesgremiums nach Paragraf 90a SGB V um. Das Gremium erarbeitet gesundheitspolitische Linien - die Versorgung von Pflegeheimbewohnern liegt Steffens besonders am Herzen.

Nach der von der KV Westfalen-Lippe (KVWL) und den Krankenkassen zunächst für zwei Jahre geschlossenen Vereinbarung werden ab dem 1. Juli die Bewohner von Pflegeheimen in fünf Regionen strukturiert durch Ärztenetze versorgt.

Die beteiligten Haus- und Fachärzte stellen die ambulante Versorgung der Patienten auch außerhalb der Sprechstundenzeiten sicher und bieten feste Sprechstunden in den Heimen an. Zu den Vertragsinhalten gehören zudem die Verbesserung der Arzneimitteltherapie-Sicherheit und die gezielte Fortbildung der Ärzte in Geriatrie, Demenz und Schmerztherapie.

Für den zusätzlichen Aufwand ihrer Mitglieder erhalten die Ärztenetze eine Quartalspauschale von 120 Euro je eingeschriebenem Patienten. Davon kommen während des Modellversuchs 80 Euro je Quartal von den Kassen plus zehn Euro bei der Einschreibung. Der Rest der Mittel fließt von der KVWL, die das Geld bereits mit dem Honorarvertrag für 2013 für solche Zwecke erhalten hat.

Es sei entscheidend für den Erfolg des Vertrags, dass die niedergelassenen Ärzte für die Heime im Bedarfsfall erreichbar sind, sagt der Vorstandsvorsitzende der AOK Nordwest Martin Litsch.

"Heimmitarbeiter müssen wissen, wen sie am Freitag um 21 Uhr anrufen können." Seine Kasse hat gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit mit Netzen in diesem Bereich. Seit 2007 kooperiert die AOK erfolgreich mit der Ärztlichen Qualitätsgemeinschaft Witten.

Die Ärzte haben für die Heimversorgung ein Bereitschaftsmodell entwickelt. In den Heimen ist die Zahl der Klinikeinweisungen zurückgegangen, die Arzneimitteltherapie hat sich verbessert, die Ausgaben für Fahrtkosten sind gesunken.

"Durch die vernetzte Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegepersonal werden wir die medizinische Versorgung und damit auch die Lebensqualität der Patienten in Pflegeheimen deutlich verbessern", hofft Litsch.

Dazu beitragen soll auch der Einsatz von Entlastenden Versorgungsassistentinnen (EVA), die die Ärzte bei der Heimversorgung unterstützen können. "Der Vertrag ist ein guter Einstieg, um die Arbeit der EVA zu erproben", sagt er. (iss)

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