Ärzte Zeitung, 30.06.2014

Pflegekongress

"Nichts geht mehr ohne Pflegekammer"

BERLIN. Für ein konsequente bundesweite Einrichtung von Pflegekammern hat sich die Wissenschaftliche Leiterin des Deutschen Pflegekongress Hedwig François-Kettner in Berlin ausgesprochen.

Seit Jahrzehnten sei die Pflege in Deutschland trotz vieler, hoch engagierter Mitglieder eine Berufsgruppe ohne ausreichende Lobby, kritisierte François-Kettner, die Vorstandsvorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit ist.

Viele Berufsverbände engagieren sich klientelbezogen und gemeinsam im Deutschen Pflegerat. "Erfolge bei Besetzungsnotwendigkeiten in den einzelnen Sektoren oder bei der Finanzierung von Aus-, Fort- und Weiterbildungen bspw. blieben trotz vieler sachbezogener Argumente in großem Umfang aber ungelöst", so Francois-Kettner.

Die freiwillige Registrierung der beruflich Pflegenden sei bislang über 16.000 nicht hinausgekommen. Das ist nur ein Bruchteil der rund eine Million Berufsangehörigen. Politisch Verantwortliche seien weder mit exakten Zahlen vorhandener oder auch rekrutierbarer, examinierter Pflegekräfte vertraut, noch könnten sie den künftigen Bedarf benennen.

"Wir sind kein Magnet für ausländische Kollegen, viele deutsche professionell Pflegende sind inzwischen im Ausland im Einsatz und mit den inhaltlichen und fachlichen Möglichkeiten im Beruf - inklusive einer besseren Bezahlung - zufriedener als in Deutschland, kritisierte sie weiter.

Die Profession der professionell Pflegenden in Deutschland sei perspektivisch auf eine starke, organisierte und attraktive Gemeinschaft angewiesen, die die Pflege der Zukunft, ihre beruflichen Inhalte und Anpassungen sicherstellen. Genau deshalb könne auf Pflegekammern nicht verzichtet werden, so François-Kettner. (eb)

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Hedwig François-Kettner (38)
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[30.06.2014, 19:22:09]
Lutz Barth 
Mangelndes Engagement wird durch „Kammerzwang“ ersetzt!
Mit Verlaub: Der Hinweis nach dem Motto „"Nichts geht mehr ohne Pflegekammer" ist letztlich eine Insolvenzerklärung aller ersten Ranges.

Da offensichtlich die Verbände nicht imstande sind, die Berufsgruppe der professionell Pflegenden jenseits der Verkammerungsphilosophie zu erreichen, setzt man/frau alles auf die Karte der „Zwangsverkammerung“.

Die Zahl der freiwillig Registrierten muss für die Verbandsfunktionäre mehr als irritierend sein, spiegelt sich doch hierin das Engagement der Berufsangehörigen wider.

Da setzt man/frau dann doch lieber auf die „Verkammerung“, um so gleich eine gesamte Berufsgruppe für eine gemeinsame Idee und den Visionen über eine Zwangsmitgliedschaft instrumentalisieren zu können.

Letztlich kann in der Tat mit den Befürwortern des Kammergedankens davon ausgegangen werden, dass bei einer Verkammerung die „Mitglieder“ nicht mehr freiwillig austreten können, während im Übrigen alle anderen lobenswerten Aufgaben auch von privaten Verbänden wahrgenommen werden können.

Den Verbandsfunktionären wird die Verkammerung nicht unangenehm sein, können diese doch dann endlich mit anderen Institutionen im „großen Haifischbecken der Selbstverwaltungskörperschaften“ gemeinsam schwimmen, und sich hierbei der zwangsverkammerten Kolleginnen und Kollegen gewiss sein. Na dann…
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