Ärzte Zeitung, 05.09.2014

Pflege-Kongress

Was ist Spiritual Care?

Der Gesundheitspflege-Kongress am 24. und 25. Oktober in Hamburg bietet wieder ein breites Spektrum an Themen.

HAMBURG. Existenzielle Kommunikation und Spiritualität - unter diesem Titel wird am Albertinen-Diakoniewerk in Hamburg ein neues Führungs- und Organisationsmodell praktiziert.

"Spiritual Care stellt sich als ein Weg heraus, nicht nur schwerkranke Patienten, sondern auch die Pflegefachkräfte zu entlasten", sagt Karin Schroeder-Hartwig, Projektleiterin und stellvertretende Pflegedirektorin am Albertinen-Krankenhaus/Albertinen-Haus.

Sie betont, dass die Umsetzung von Spiritual Care eine Führungsaufgabe sei. "Denn Pflegefachkräfte sind mit existenziellen Situationen zunehmend konfrontiert, und diese Belastungen sind keine Privatangelegenheit."

Spiritual Care als eine wiederentdeckte Kultur der Pflege wird ein Thema auf dem 12. Gesundheitspflege-Kongress sein, der am 24. und 25. Oktober in Hamburg stattfindet. Das Albertinen-Diakoniewerk ist ein Kooperationspartner des Kongresses, der von Springer Medizin veranstaltet wird.

Hälfte der Pflegekräfte sieht sich als spirituell

In einer Schweizer Studie gab fast die Hälfte der über 500 befragten Pflegekräfte an, dass sie sich selber als spirituell bezeichnen würden. Und die meisten gaben an, oft mit spirituellen Bedürfnissen der Patienten konfrontiert zu sein.

 "Spiritualität ist dabei nicht mit Religiosität gleichzusetzen, sondern versucht, die Sinnfrage im Krankheits- und Gesundheitsverständnis und -erleben zu erfassen", betont Schroeder-Hartwig.

Damit dieser Ansatz mehr Verbreitung findet, hat sie im März dieses Jahres das bundesweite Netzwerk Existenzielle Kommunikation und Spiritualität e.V. (neks) mitgegründet.

Doch wie kann bei hoher Arbeitsbelastung Zeit für spirituelle Gespräche gefunden werden? Am Albertinen-Krankenhaus stehen dafür zwei Prozesse zu Verfügung: Bei der "existenziellen Fallbesprechung" können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer akut-kritischen Situation das Ereignis in einem dafür vorgesehenen Formular aufschreiben und außerdem bei der Projektleitung etwa um eine moderierte Teamsitzung bitten.

Zeit zum Austausch über schwierige Situationen

Das zweite Instrument, "Ereignisbezogene Unterbrechungskultur" genannt, bedeutet zum Beispiel, dass regelmäßig zum Dienstende oder zum Ende der Woche Zeit eingeräumt wird, dass sich das Team über existenzielle Situationen austauschen kann.

Schroeder-Hartwig: "Interventionen dauern nicht mehr als zehn Minuten, und wir sind selber überrascht, wie positiv sich diese vermeintlich kleinen Änderungen auswirken."

Neben dem Albertinen-Diakoniewerk hat der Gesundheitspflege-Kongressess weitere Kooperationspartner: das Uniklinikum Schleswig-Holstein, das Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, die Asklepios Kliniken Hamburg, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). (an)

Informationen: Andrea Tauchert, Tel. 030/82787-5510, andrea.tauchert@springer.com, www.heilberufe-kongresse.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt Ältere nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Mit diesem Ergebnis überrascht die ASPREE-Studie. mehr »

Allergien machen Kindern zu schaffen

Allergien, psychische Störungen und Unfälle bleiben die häufigsten Risiken für chronische Krankheiten von Kindern. Vor allem Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis beeinträchtigen den Nachwuchs. mehr »

Tuberkulose - tödlichste Infektionskrankheit

1,6 Millionen Menschen starben im vergangenen Jahr an Tuberkulose, berichtet die WHO. Damit bleibt TB die tödlichste Infektionskrankheit der Welt. mehr »