Ärzte Zeitung online, 25.11.2014

Pflegereport

Breites Geriatrieangebot, weniger Pflegefälle

Gibt es ein gutes Geriatrieangebot, sinkt das Risiko, ein Pflegefall zu werden. Diesen Zusammenhang zeigt der Barmer GEK Pflegereport. Mängel sieht die Studie bei der Zahngesundheit von Pflegebedürftigen.

Breites Geriatrieangebot, weniger Pflegefälle

Ein gutes Reha-Angebot zahlt sich aus, um Pflegebedürftigkeit zu verhindern, zeigt der Pflegereport.

© Robert Kneschke/Fotolia.com

KÖLN. Geriatrische Rehabilitation kann offenbar den Eintritt von Pflegebedürftigkeit verzögern. Das zeigt der Pflegereport 2014 der Barmer GEK. Danach verzeichnen Bundesländer mit hohen Kapazitäten in der geriatrischen Rehabilitation unterdurchschnittliche Pflegeeintrittswahrscheinlichkeiten.

"Das kann als Hinweis auf die Wirksamkeit geriatrischer Rehabilitation interpretiert werden", sagte Professor Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen anlässlich der Vorstellung des Berichts. Rothgang ist einer der Autoren.

Bayern und das Saarland haben die meisten Betten in geriatrischen Einrichtungen mit Angeboten von medizinischen Leistungen zur Vorsorge und der medizinischen Rehabilitation einschließlich der Anschlussrehabilitation. Dort ist die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, bundesweit laut Barmer GEK am geringsten.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Pflegereports der Krankenkasse steht die zahnärztliche Versorgung der Pflegebedürftigen. Um sie ist es nicht besonders gut bestellt. "Pflegebedürftige werden im Vergleich zu Nicht-Pflegebedürftigen weniger häufig zahnmedizinisch betreut", berichtete Versorgungsforscher Rothgang.

Leitlinien sparen ältere Menschen aus

Dabei vergrößert sich die Diskrepanz mit der Pflegestufe. Bei Pflegebedürftigen der Stufe I, die ausschließlich von Angehörigen gepflegt werden, liegt die Behandlungsquote bei Zahnärzten um 5,5 Prozentpunkte unter den Nicht-Pflegebedürftigen gleichen Alters und Geschlechts. In Pflegestufe III sind es 14,9 Prozentpunkte weniger.

Rothgang sieht einen möglichen Grund der zahnärztlichen Unterversorgung darin, dass die aktuellen zahnmedizinischen Leitlinien kaum auf ältere und pflegebedürftige Menschen eingingen. "Auch häufige psychische Störungen, insbesondere Demenz, werden nicht erwähnt", sagte der Wissenschaftler.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK Dr. Rolf-Ulrich Schlenker forderte gerade für Menschen in Pflegeheimen einen leichteren Zugang zur zahnmedizinischen Versorgung. "Wir brauchen über stärkere aufsuchende Behandlung hinaus mehr Schwerpunktpraxen für die zahnmedizinische Versorgung von Pflegebedürftigen."

Schlenker mahnte auch Veränderungen in den Pflegeheimen an. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort müssen zahnmedizinisch weitergebildet werden, um Probleme mit der Mundgesundheit früh erkennen und eine Behandlung veranlassen zu können."

Die Barmer GEK gab sich optimistisch, dass sich die Situation Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen durch die erste Stufe der Pflegereform verbessern wird.

Schlenker lobte sowohl die Dynamisierung der Pflegeleistungen als auch den Ausbau zusätzlicher Betreuungs- und Entlastungsangebote. Er begrüßte, dass die Kassen ab 2015 sogenannte Alltagsbegleiter finanzieren dürfen. (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »