Ärzte Zeitung online, 23.12.2014

Umfrage

Zuhause pflegen lehnen die meisten ab

Angehörige selbst zu Hause zu pflegen, kommt für die meisten Menschen in Deutschland nicht in Frage. Das zeigt eine Umfrage der DAK-Gesundheit.

HAMBURG. Nach Angaben der DAK-Gesundheit ist nur knapp ein Drittel der Deutschen bereit, Angehörige selbst im eigenen Heim zu pflegen.

17 Prozent würden sich für eine Unterbringung im Pflegeheim entscheiden, 43 Prozent nach einer anderen Lösung suchen - zum Beispiel eine Pflegekraft ins Haus zu holen. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage der Krankenkasse. Befragt wurden 1005 Menschen.

Häusliche Pflege: Jede dritte befragte Frau wäre bereit

Die Bereitschaft zur häuslichen Pflege ist zudem stark abhängig von Geschlecht und Alter der Angehörigen. So gaben bei den über 50-Jährigen knapp 40 Prozent an, Angehörige im Pflegefall selbst betreuen zu wollen.

Bei den unter 30-Jährigen waren es laut DAK nur 16 Prozent. In der jüngeren Altersgruppe würde ein Viertel der Befragten die Betreuung in einem Pflegeheim bevorzugen, 50 Prozent würden nach einer anderen Lösung suchen.

Zudem zeigte sich jede dritte Frau bereit, häusliche Pflege zu übernehmen, bei den Männern war es jeder Vierte. "Die Pflege von Angehörigen verstehen viele immer noch als Aufgabe der Frau", kommentiert Annett Saal, Pflege-Expertin der DAK-Gesundheit, das Ergebnis der Umfrage.

Im Beruf sehr eingespannt

Warum häusliche Pflege für sie nicht in Frage kommt, dafür nannten die Befragten unterschiedliche Gründe: Ein Drittel antwortete, ihre berufliche Situation lasse es nicht zu, dass sie Angehörige zu Hause pflegten. Drei von zehn nannten ihre private Situation als Grund.

Jeder Vierte lehnt grundsätzlich ab, selbst die Pflege zu übernehmen, bei den unter 30-Jährigen sogar jeder Dritte. "Oft lassen die Rahmenbedingungen häusliche Pflege einfach nicht zu", sagt Pflegeexpertin Saal. Zudem hätten viele Menschen Angst, dass sie die Pflege eines Angehörigen überfordern würde. (chb)

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