Ärzte Zeitung, 26.04.2016

Sachsen-Anhalt

Neue Koalition setzt auf Pflege im Quartier

Regionale, kleinteilige und ambulante Pflege- Angebote sind für die "Kenia-Koalition" das Ziel.

MAGDEBURG. CDU, SPD und Grüne in Sachsen-Anhalt haben sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, in der ambulanten Pflege regionale Strukturen zu fördern und zu vernetzen.

Ziel seien bedarfsgerechte, kleinteilige Versorgungsangebote vor Ort, die auch Raum für individuelle Pflegemixe lassen.

So soll den hohen Zuwachsraten von stationär versorgten Pflegebedürftigen entgegengewirkt und gleichzeitig pflegende Angehörige entlastet werden.

Zeitnah soll dazu ein Landesaktionsplan "Pflege im Quartier" und ein Förderprogramm für "Quartiersmanagement" aufgelegt werden.

Ebenfalls vorgesehen sind regionale Pflegekonferenzen und ein landesweites Beratungsnetz für Kommunen, die helfen sollen Aufbau und Entwicklung solcher Quartiere zu unterstützen.

Laut Statistik werden im Jahr 2025 knapp 70 von 100 Sachsen-Anhaltern über 65 Jahre alt sein. Auf den damit verbundenen Anstieg der Pflegebedürftigkeit will die neue Landesregierung reagieren.

Geeinigt haben sich die Regierungsparteien auch auf die Forderung nach einer besseren Bezahlung im stationären und ambulanten Pflegebereich.

Angestrebt werden soll ein allgemein verbindlicher Tarifvertrag "Pflege", der zugleich dem sich verschärfenden Fachärztemangel entgegenwirken soll.

Bei der laut Pflegeberufsreform geplanten bundesweit einheitlichen Pflegeausbildung ab 2018 sehen die Regierungsparteien in Sachsen-Anhalt noch Handlungsbedarf für Änderungen, die ein Runder Tisch "Pflege" zusammenfassen, formulieren und an die Bundespolitik weiterleiten soll.

Darüber hinaus wird angestrebt, die Einzelzimmerquote in stationären Einrichtungen auf mindestens 80 Prozent anzuheben. Derzeit ist noch nahezu die Hälfte der Pflegebedürftigen in Doppelzimmern untergebracht.

In Sachsen-Anhalt leben derzeit knapp 100.000 Pflegebedürftige. Tendenz steigend. Etwa zwei Drittel werden zu Hause versorgt, der Großteil ohne Inanspruchnahme ambulanter Pflegedienste, also in der Regel von Angehörigen.

In den mehr als 500 Pflegeheimen des Landes leben etwa 30.000 Menschen. (zie)

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