Ärzte Zeitung, 20.01.2017
 

Kongress Pflege 2017

Stillstand bei der Reform der Ausbildung

Die generalistische Pflegeausbildung sorgt weiter für heiße politische Debatten. Droht das Projekt zu scheitern?

BERLIN. Vor etwas mehr als einem Jahr hat die Bundesregierung ihren Entwurf eines Pflegeberufereformgesetzes dem Bundestag übergeben. Seither schwelt zwischen Teilen der Unionsfraktion, der SPD-Fraktion und Pflegeverbänden ein Grundsatzstreit darüber, wie die Kranken-, die Kinderkranken- und die Altenpflege in einem gemeinsamen Ausbildungsgang untergebracht werden könnten.

Die generalistische Ausbildung ist politisches Leitthema des Kongress Pflege 2017 am Freitag und Samstag in Berlin. Bei der Auftaktpressekonferenz zum Kongress Pflege von Springer Medizin Verlag und der Fachmarke Springer Pflege, erstmals in Kooperation mit Vincentz Network, prallten die Positionen dazu aufeinander.

Bei den Fachpolitikern der Unionsfraktion herrsche Konsens, darüber, dass die gemeinsame Ausbildung zwei Jahre dauern solle. Daran solle sich ein Jahr spezialisierte Ausbildung anschließen, sagte der pflegepolitische Sprecher der Unionsfraktion Erwin Rüddel (CDU).

"Wenn der Entwurf weiter betrieben werden soll, dann muss die Fachabteilung im Gesundheitsministerium ein Zeichen geben, dass sie Kompromisse umsetzen kann", sagte Rüddel.

Zeit dafür bleibe höchstens bis zu den Wahlen in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai. Der Regierungsentwurf des Gesetzes sieht bislang eine gemeinsame Ausbildung der Pflegefächer über volle drei Jahre vor.

Dreiteilung des Berufsbildes zementieren?

Käme ein Kompromiss a la Rüddel zustande, würde die bisherige Dreiteilung des Berufsbildes zementiert, warnte Christine Vogler, Vize-Vorsitzende des Berufsverbandes Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS). "Wir brauchen Generalistik, um die Versorgung zu sichern", sagte Vogler.

Vor "irreparablen Schädigungen einer ganzen Berufsgruppe" warnte Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. Er verwies darauf, dass die Innovationsgeschwindigkeit der Branche von den Pflegefachpersonen künftig lebenslanges Lernen verlange. Dafür müsse in dem dreijährigen Ausbildungsgang die Fachlichkeit aufgebaut werden.

Zur Eröffnung am Freitag erwartet Springer Pflege rund 1700 Gäste. Etwa 100 Referenten werden an den beiden Tagen auftreten. Die politische Eröffnungsrede hält Familienministerin Manuela Schwesig (SPD). Die Veranstaltung gilt als größter Kongress für das mittlere Pflegemanagement. (af)

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