Ärzte Zeitung online, 23.01.2017
 

Pflegereform

Schwesig greift Generalistik-Gegner an

Den Reformgegnern gehe es lediglich darum, die Löhne in der Pflege zu drücken. Ministerin Schwesig kämpft für die Generalistik.

Von Anno Fricke

BERLIN. Mit scharfen Vorwürfen an die Reformgegner hat Familien- und Jugendministerin Manuela Schwesig (SPD) für die Einführung einer einheitlichen, dreijährigen Ausbildung in denPflegeberufen geworben.

Schwesig hat gemeinsam mit Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) das Pflegeberufsgesetz auf den Weg gebracht. Seit einem Jahr steckt das Gesetz im parlamentarischen Verfahren fest. Teile der Unionsfraktion fürchten, ein höheres Ausbildungsniveau könne Hauptschüler abschrecken, in die Altenpflege zu gehen.

Das sei ein Vorwand, rief Schwesig den Gegnern der Generalistik zur Eröffnung des Kongress Pflege von Springer Medizin und Springer Pflege am Freitag in Berlin zu. "Wenn wir die Aufwertung der sozialen Berufe wollen, dann brauchen wir auch eine bessere Bezahlung", sagte Schwesig.

Weibliche Pflege

Die Pflege sei überwiegend weiblich. Der durchschnittliche Unterschied zwischen der Bezahlung von Männern und Frauen liege bei 21 Prozent. "Darin liegt der Widerstand gegen das Gesetz begründet", wetterte Schwesig. "Das geht nicht, und deshalb erwarte ich, dass das Gesetz auch kommt."

Schwesig versicherte, dass die aktuell in der Pflege beschäftigten Fachkräfte durch eine Ausbildungsreform auf dem Arbeitsmarkt nicht ins Hintertreffen gerieten. In der Pflege herrsche großer Bedarf an Personal.

Auf 100 offene Arbeitsplätze gebe es derzeit lediglich 28 Bewerber. Die Zahl der Empfänger von Leistungen der sozialen Pflegeversicherung belaufe sich auf 2,86 Millionen, mithin neun Prozent mer als noch 2013.

Wie geht es weiter mit dem Gesetz?

Kein Wort verlor die Ministerin jedoch zum weiteren Verlauf des Gesetzesverfahrens. Sicher sei nur, dass der angepeilte Starttermin zum Jahresbeginn 2018 nicht mehr gehalten werden könne.

Zuvor hatte der stellvertretende Präsident des Deutschen Pflegerats Franz Wagner ein Grußwort verlesen lassen. Dass Hauptschüler unter Bedingungen der Generalistik schlechteren Zugang zu den Pflegeberufen haben könnten, wollte er nicht gelten lassen.

Die Pflege sei schließlich kein Ausbildungsförderungsprogramm. Der Hauptschulabschluss dürfe nicht das Maß sein, an dem sich die künftige Pflegeausbildung orientieren müsse. Der Deutsche Pflegerat fordere die schwarz-rote Koalition daher auf, den Gesetzentwurf in der vorliegenden Form zu verabschieden.

[27.01.2017, 14:29:04]
Simon K. Hilber 
Schwesig greift Generalistik-Gegner an

Mit völligem Unverständnis habe ich die diffamierenden und spaltenden Äußerungen von Ministerin Schwesig sowie dem stellvertretenden Präsidenten des Deutschen Pflegerats Franz Wagner zum Pflegeberufegesetz in Ihrer Zeitung zur Kenntnis genommen. Aus beiden Aussagen wird jedenfalls deutlich, dass die Qualität der Pflege und die Aufrechterhaltung der Versorgung offensichtlich in den Hintergrund einer besseren Bezahlung treten. Auch ich bin für eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte in Deutschland, deswegen habe ich mich im PSG I und III für Maßnahmen ausgesprochen, die eine tarifliche Vergütung sicherstellen.

Die zum wiederholtem Male vom Deutschen Pflegerat getätigten herablassenden Äußerungen gegenüber Haupt- und Mittelschülern weise ich aufs Schärfste zurück.

Wir wollen junge Menschen aller Schularten in der Pflege haben und wir benötigen diese wertvollen Kräfte auch in der Zukunft. Die Konsequenz der Forderungen von Ministerin Schwesig und Herrn Wagner wird sein, dass Haupt- und Mittelschüler zukünftig aus der Pflege herausgedrängt werden, als reine Hilfskräfte ihr Potential nicht voll ausschöpfen können und in diesen Berufen weniger verdienen als heute. Mein Einsatz für eine duale Pflege-Ausbildung aus Theorie und Praxis steht nicht im Widerspruch zu unseren gut funktionierenden pflegewissenschaftlichen Studiengängen. Doch eine über die Hintertür gesteuerte Akademisierung aller Pflegeberufe unter dem „Deckmäntelchen“ besserer Bezahlung, besserer Durchlässigkeit des Berufs, Qualität usw. lehne ich ab.

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