Ärzte Zeitung online, 27.01.2018

Vergütung

Sechs Prozent plus für Pflegedienste in Berlin

Berlins Senat, Kassen und ambulante Pflegedienste einigen sich auf deutliches Vergütungsplus. Jetzt muss das Geld bei den Pflegekräften auch ankommen.

BERLIN. Die Vergütung für die ambulanten Pflegedienste in Berlin steigt ab März deutlich um bis zu sechs Prozent. Das haben das Land Berlin und die Pflegekassen mit den Pflegediensten vereinbart. Voraussetzung ist jedoch, dass die über 600 ambulanten Pflegedienste in der Hauptstadt ihre Beschäftigten entsprechend besser bezahlen.

Ob die Vergütungssteigerung bei den Pflegekräften ankommt, wollen die Kostenträger künftig strenger überprüfen, teilten sie mit.

Die Verhandlungsführerin der Kostenträger, Berlins Pflegesenatorin Dilek Kolat (SPD) zeigte sich erfreut über die Entgeltsteigerung. "Pflegekräfte müssen besser bezahlt werden. Das ist nun ein erster Schritt in diese Richtung.

Attraktivität der Pflege verbessern

Eine angemessene Vergütung ist auch im Interesse der Arbeitgeber, denn nur so kann die Attraktivität der Pflege verbessert werden", so die Senatorin. Sie sprach sich auch für mehr Tarifverträge in der Pflege aus, um den Beruf attraktiver zu machen.

Die Gewerkschaft Verdi begrüßte die Vereinbarung. Meike Jäger, die den Bereich Pflege bei Verdi Berlin verantwortet, forderte die Arbeitgeber auf, die Vergütungssteigerung an die Beschäftigten weiter zu geben.

"Auch die Arbeitgeber in der ambulanten Pflege müssen endlich erkennen, dass man nicht einerseits über den Fachkräftemangel jammern kann und andererseits nichts oder nur wenig dafür tut, dass der Beruf attraktiver wird. Nur wer künftig gute Arbeitsbedingungen mit leistungsgerechten Gehältern anbietet, wird am Markt bestehen können", so Jäger.

Die Gewerkschaft fordert, dass die Umsetzung der Vereinbarung bei allen Pflegediensten kontrolliert wird.

Das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) räumte mit dem Missverständnis auf, dass alle Beschäftigten bei ambulanten Pflegediensten ab März sechs Prozent mehr verdienen würden. Vielmehr hätten tarifgebundene Arbeitgeber – zu denen sich das Diakonische Werk mit seinen Arbeitsvertragsrichtlinien zählt – teilweise bereits Tarifsteigerungen ausgehandelt, die auch Bestand hätten.

Weil tarifgebundene Pflegedienste auch in der Vergangenheit regelmäßig Lohnsteigerungen finanziert haben, fordern sie, dass die Erhöhungen der letzten beiden Jahre bei einer Überprüfung berücksichtigt werden. Den Angaben zufolge sieht die Vereinbarung auch vor, dass die Entgelte um 3,72 Prozent steigen können, ohne das Nachweise geliefert werden müssen. (ami)

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