Ärzte Zeitung online, 29.01.2018

Sachsen-Anhalt

Elf Prozent mehr Anträge auf Prüfung der Pflegebedürftigkeit

Zahl der Begutachtungen durch den MDK in Sachsen-Anhalt steigt 2017 auf fast 73.000

MAGDEBURG. Mehr als 55.100 Versicherten aus Sachsen-Anhalt attestierten Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) im vergangenen Jahr einen Pflegebedarf – rund 8700 Menschen mehr als 2016.

Die Zahl der Begutachtungen zur Feststellung einer Pflegebedürftigkeit stieg im vergangenen Jahr auf nahezu 73.000. Das entspricht einer Steigerung von elf Prozent. Mehrheitlich wurde nach dem Anfang 2017 neu eingeführten System geprüft, bei dem der Grad der Selbstständigkeit im Mittelpunkt steht. "Ohne gezielten Personalaufbau, aber auch freiwillige Mehrarbeit, hätten wir das enorme Arbeitspensum nicht bewältigen können", sagt MDK-Chef Volker Rehboldt. Die Zahl der Gutachter wurde mittlerweile auf 80 aufgestockt, von denen die meisten zuvor Gesundheits- und Krankenpfleger oder Arzthelfer waren.

Gesetzlich vorgeschriebene jährliche Kontrollen bei ambulanten Pflegediensten und in stationären Pflegeeinrichtungen sind ein weiterer Schwerpunkt. Allein im Vorjahr gehen 1175 Qualitätsprüfungen auf das Konto der MDK-Mitarbeiter. Dazu gehörten auch 88 so genannte Anlassprüfungen aufgrund von Beschwerden durch Pflegebedürftige oder deren Angehörige. In der Kritik standen vorrangig mangelnde Grund- und Behandlungspflege oder auch eine unzureichende Betreuung.

Dass sich kritische Punkte oftmals nicht in der öffentlichen Darstellung widerspiegeln, bemängelt auch der MDK. So ließen die Qualitätsprüfungsrichtlinien nur Bewertungen zwischen 1,0 und 1,6 zu. "Im deutschen Schulsystem ist die 1,6 aber eine durchaus respektable Note", kritisiert Ina Schulze, Leiterin des Fachbereichs Qualitätsprüfung. Zudem gebe es Unterschiede zwischen dem Transparenzbericht, der veröffentlicht wird und dem eigentlichen Qualitätsbericht, für den mehr Aspekte berücksichtigt werden. "Ein politisches Problem", meint Rehboldt, "auf das wir von Anfang an hingewiesen haben. Bislang leider ohne Erfolg." (zie)

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