Ärzte Zeitung online, 06.04.2018

Pflegenotstand

Chirurgen und Pflegerat verbünden sich

Beide Verbände fordern gemeinsam ein Sofortprogramm gegen den Pflegemangel.

BERLIN. Ein steuerfinanziertes Sofortprogramm für 50.000 Pflegestellen fordern die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und der Deutsche Pflegerat (DPR).

Immer häufiger würden Operationssäle leer stehen und Intensivbetten gesperrt werden, weil in den Kliniken das Fachpersonal fehle, kritisieren beide Verbände in einer gemeinsamen Erklärung. Deshalb setzen sie sie sich außer für ein Sofortprogramm auch für eine bessere Vergütung sowie für Personalschlüssel ein, die Schweregrade bei der Versorgung flexibel berücksichtigen.

In Deutschland arbeiten laut DGCH und Pflegerat derzeit etwa 384.000 Pflegefachkräfte. Das seien viel zu wenige. So sollte eine Pflegekraft auf Intensivstationen maximal zwei Patienten betreuen, bei schwerem Organversagen sogar nur einen Erkrankten. "In der Realität liegt dieses Verhältnis jedoch nachts oft bei 1:3", sagt DGCH-Präsident Professor Jörg Fuchs. Das habe zu hohen physischen und psychischen Belastungen bei den Pflegenden geführt, mit hohen Ausfallzeiten und der Tendenz, den Beruf zu verlassen. Operationen müssten abgesagt werden, weil die pflegerische Versorgung vor, während und nach dem Eingriff nicht gewährleistet werden kann, kritisiert Fuchs.

Ganze Stationen würden wegen fehlender Pflegekräfte gesperrt und die Reaktionszeit bei Schmerzen sei leider oft viel länger als sie dauern sollte, sagt der Vorsitzende des Pflegerates, Franz Wagner. Auch in den OP-Sälen gebe es immer häufiger personelle Engpässe, weil die technischen Assistenten fehlten.

Chirurgen und Pflegerat machen sich auch für eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte stark. Mitarbeiter im OP verdienten in einem Vollzeitmonat 2000 bis 3000 Euro brutto. Pflegefachkräfte auf Intensivstationen kämen maximal auf 3000 Euro. Das sei für diese verantwortungsvolle Tätigkeit zu wenig, beklagt Chirurgenpräsident Fuchs. (chb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »