Ärzte Zeitung online, 13.08.2019

Neuer Gesetzentwurf

Spahn plant Verbesserungen für Beatmungspatienten

BERLIN. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Versorgung von Beatmungspatienten deutlich verbessern. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag) unter Berufung auf einen neuen Gesetzentwurf.

Darin heiße es, insbesondere bei der ambulanten Versorgung von Beatmungspatienten sei von einer Fehlversorgung auszugehen. Zudem bestünden Fehlanreize und Missbrauchsmöglichkeiten. Das verursache hohe Kosten für die Versichertengemeinschaft und Einbußen bei der Lebensqualität der Betroffenen.

Die sehr anspruchsvolle Intensivpflege von Beatmungspatienten ist meist eine 24-Stunden-Betreuung. Monatlich kostet das die Krankenkassen etwa 20.000 Euro pro Patient.

In sogenannten Pflege-WGs werden sogar mehrere Patienten gleichzeitig versorgt, oft betreut von nicht ausreichend qualifizierten Pflegekräften. Anreize für eine Entwöhnung von der künstlichen Beatmung existieren kaum.

Der Gesetzentwurf sieht laut RND vor, dass die Intensivpflege mit Beatmung in den eigenen vier Wänden nur noch die absolute Ausnahme sein darf. Allein bei Kindern bleibt sie die Regel. Für Pflege-WGs sollen die Qualitätsanforderungen massiv steigen. Krankenhäuser sollen die Beatmungsentwöhnung dagegen besser bezahlt bekommen.

Pneumologen hatten zuletzt die explosionsartige Zunahme ambulanter, invasiv beatmeter Patienten kritisiert und ein Mehr an Entwöhnungsversuchen in Kooperation mit qualifizierten Beatmungs- oder Weaningzentren gefordert. Nach neueren Erhebungen müsse von einer reduzierten oder sogar schlechten Lebensqualität außerklinisch invasiv beatmeter Patienten ausgegangen werden, so die Kritik.

Missbrauch aufgedeckt

Im Mai erst hatte die Polizei einen großangelegten Abrechnungsbetrug von Pflegediensten bei der Betreuung von Beatmungspatienten aufgedeckt. Wohnungen und Büros an 19 Orten in Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein wurden durchsucht. Drei Menschen wurden verhaftet, darunter war auch eine 63-jährige Deutsche mit Wohnsitz in Spanien, die das Betrugssystem organisiert haben soll. (dpa/hom)

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