Ärzte Zeitung, 23.05.2013
 

Sichere Arzneien

Anti-Fälschungs-Code besteht Feuertaufe

Schwere Zeiten für Arzneifälscher: Ein Code macht jede Medikamentenpackung zum Unikat - ein unkomplizierter Weg zu mehr Sicherheit, sagen die Beteiligten. In der ersten Testphase läuft vieles glatt - doch noch sind nicht alle Probleme gelöst.

Von Sunna Gieseke

Anti-Fälschungs-Code besteht Feuertaufe

Künftig werden alle Arzneipackungen mit einem Code versehen: Damit wird die Packung zum Unikat.

© IFA GmbH securpharm

BERLIN. Mehr als 3,5 Millionen gekennzeichnete Arzneimittel und über 30.000 erfolgreiche Verifizierungen - Tendenz steigend: Das ist das erste Fazit eines Testlaufs zum Schutz vor Arzneimittelfälschungen.

Der Test des sogenannten securpharm-Systems startete vor fünf Monaten: Bislang beteiligen sich von den bundesweit 22.000 Apotheken etwa 280.

 Zudem machen bislang 24 Pharmaunternehmen der laut vfa etwa 300 bis 400 Hersteller mit. Der Verein securpharm spricht von einem Erfolg der ersten Testphase.

Codes wie auf Bahntickets

Mit dem System sollen Arzneipackungen fälschungssicher werden: Sie erhalten einen Data-Matrix-Code und werden somit zu einem Unikat - solche Codes verwendet zum Beispiel die Deutsche Bahn auf ihren Tickets.

Der Apotheker scannt den Code ein, bevor er einem Kunden ein Medikament aushändigt. Über eine Herstellerdatenbank läuft dann eine Abfrage: Ist die Seriennummer ordnungsgemäß, wird das vom System bestätigt - und das laut securpharm in weniger als einer halben Sekunde.

"Uns war es wichtig, dass der Ablauf in Apotheken nicht unnötig verzögert wird", sagt Martin Bergen, Geschäftsführer von securpharm. Bei etwa vier Millionen Kundenkontakten pro Tag in den Apotheken sei die Zeit ein wichtiger Faktor.

Langsam in den Regelbetrieb

Eine unbekannte oder bereits abgegebene Packungsnummer löst hingegen Alarm aus: Die beanstandete Packung wird einbehalten und der Fälschungsverdacht untersucht.

"Damit haben wir ein sicheres, einfach handhabbares und preiswertes System geschaffen, das die hohe Sicherheit der Vertriebskette noch weiter verbessert", sagt Dr. Reinhard Hoferichter, Sprecher des Vorstands von securpharm während der Vorstellung des Systems in Berlin.

Vom Test aus solle das System langsam in den Regelbetrieb überführt werden. "In den nächsten Monaten werden noch mehr Unternehmen und Apotheken eingebunden", so Hoferichter. Es sei das Ziel, bis zum Jahr 2017 einen flächendeckenden Aufbau zu gewährleisten.

Grundlage für securpharm ist die 2011 verabschiedete EU-Fälschungsrichtlinie. Diese schreibt vor, dass jede Packung ab 2017 Sicherheitsmerkmale tragen muss, mit denen auf Echtheit geprüft werden kann.

"Es war wichtig, dass wir so früh begonnen haben", betont Hoferichter. Somit sei genügend Zeit auch Kinderkrankheiten des Systems zu erkennen und abzustellen: Zum Beispiel könnten die Codes auf den Packungen zu schwach gedruckt oder verwischt und dadurch nicht lesbar sein.

Finanzierungsmodell entwickeln

Außerdem gibt es noch einige große Baustellen: Unter anderem müssen noch die Krankenhausapotheken in das System eingebunden werden. Das solle noch im Jahr 2013 geschehen, so Hoferichter. Darüber hinaus sollen künftig auch Generikahersteller teilnehmen.

Des Weiteren muss noch ein Finanzierungsmodell entwickelt werden: Künftig müssen laut EU-Richtlinie die Hersteller die Kosten von drei bis sechs Cent pro Packung tragen.

Bislang übernehmen die fünf Verbände die Kosten, die auch hinter securpharm stehen: die Pharmaverbände BAH, BPI und vfa, der Großhandelsverband Phargo und der Apothekerverband ABDA.

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Verbraucher außen vor

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