Amtsärzte offen für Kassen-Kooperation

Bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen hängt es in etlichen Kommunen, kritisieren die Pädiater. Auch die Amtsärzte sehen das Problem - und zeigen sich offen für eine Idee von Kassenseite.

Veröffentlicht:
Schuleingangsuntersuchung: Bei der Versorgung in den Kommunen kann manches besser werden.

Schuleingangsuntersuchung: Bei der Versorgung in den Kommunen kann manches besser werden.

© Thomas Frey / imago

BAD NEUENAHR-AHRWEILER (nös). Die Amtsärzte unterstützen den Vorstoß des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), den öffentlichen Jugendgesundheitsdienst zu stärken.

"Wenn der BVKJ vorschlägt, den ÖGD zu stärken, finde ich das natürlich gut", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD), Dr. Ute Teichert-Barthel, der "Ärzte Zeitung".

Die Pädiater hatten jüngst auf ihrem Politikforum kritisiert, dass rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen nur unzureichend medizinisch versorgt seien.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas vermutete ein hausgemachtes Problem: Viele Kommunen seien derart klamm, dass sie Abstriche bei den Einrichtungen der Jugendhilfe machten, monierte sie. Teichert-Barthel pflichtete ihr bei: "Wir sehen die Kinder, bei denen es Handlungsbedarf gibt."

Allerdings stecken die Amtsärzte in einem Dilemma: Wenngleich auch sie von einem Bedarf für Nachbesserungen ausgehen, verweisen sie auf ihre Personalsorgen. "Wir haben ein Nachwuchsproblem", sagte Teichert-Barthel.

Das liege zu einem erheblichen Teil an der vergleichsweise schlechten Bezahlung im öffentlichen Dienst. Seit 2010 stecken die Tarifverhandlungen für die rund 2800 Amtsärzte in der Sackgasse.

Kooperationen mit Krankenkassen

Unterstützung in der Kindervorsorge könnte von den Pädiatern kommen. Der BVKJ sieht Potenziale bei den niedergelassenen Ärzten, drängt aber auch für "aufsuchende Dienste" in den Kommunen.

Die Notwendigkeit einer Kooperation sieht auch BVÖGD-Chefin Teichert-Barthel: "Gerade beim Kinderschutz sind Pädiater und ÖGD aufeinander angewiesen - im Rahmen einer Vernetzung und guten Zusammenarbeit."

Auch Modellprojekten mit den Krankenkassen stehen die Amtsärzte offen gegenüber: "Es würde durchaus Sinn machen, wie Herr Schlenker vorgeschlagen hat, mit den Kassen ein gemeinsames Modellprojekt zu starten."

Barmer-GEK-Vorstand Dr. Rolf-Ulrich Schlenker hatte während des BVKJ-Forums vorgeschlagen, für die frühe Prävention im Kindesalter ein "innovatives Modellprojekt" zu initiieren.

Auch andere Krankenkassen sind für solche Vorhaben offen. Aus dem AOK-Bundesverband kamen jüngst Signale, dass die Kassen Kooperationsmodelle zwischen dem ÖGD und etwa niedergelassenen Ärzten unterstützen könnten.

Mehr zum Thema

Impfempfehlungen

Neuer STIKO-Chef fordert mehr Personal

Interview

STIKO-Chef Überla: RSV-Empfehlung kommt wohl bis Sommer

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

STIKO-Chef Überla: RSV-Empfehlung kommt wohl bis Sommer

NHANES-Analyse

Bei Hörminderung: Hörgeräteträger leben länger

Hauptstadtdiabetologinnen

Ein Netzwerk für Diabetologinnen

Lesetipps
Neue Hoffnung für Patienten mit Glioblastom: In zwei Pilotstudien mit zwei unterschiedlichen CAR-T-Zelltherapien blieb die Erkrankung bei einigen Patienten über mehrere Monate hinweg stabil. (Symbolbild)

© Richman Photo / stock.adobe.com

Stabile Erkrankung über sechs Monate

Erste Erfolge mit CAR-T-Zelltherapien gegen Glioblastom

Die Empfehlungen zur Erstlinientherapie eines Pankreaskarzinoms wurden um den Wirkstoff NALIRIFOX erweitert.

© Jo Panuwat D / stock.adobe.com

Umstellung auf Living Guideline

S3-Leitlinie zu Pankreaskrebs aktualisiert